Gedränge, strahlende Gesichter, Kaffeeduft und «Gipfelibrösmeli» überall. So kennen und lieben die Gipfelischiff-Passagiere den «Etzel», der nach der langen Pause endlich wieder in See gestochen ist. «In letzter Sekunde haben wir noch Malerarbeiten erledigt, die Beleuchtung und Audioanlagen montiert. Dann viel plötzlich die Schiffsschraube wegen einer defekten Dichtung an der Propelleransteuerung aus und wir mussten weitere zwei Wochen bangen. Jetzt freue ich mich ab all den heiteren, altbekannten Gesichtern der Gipfelischifffahrer», sagt Martin Schrepfer, langjähriger Etzel-Kapitän. An weiteren insgesamt 13 Freitagen bringt das Gipfelischiff Pendler, Schüler und Marktbesucher – sowie den Samichlaus am 6. Dezember – von Kilchberg via Rüschlikon, Thalwil, Erlenbach, Heslibach, Küsnacht, Goldbach, Zollikon und Zürichhorn zum Bürkliplatz. Auch zu anderen öffentlichen Fahrten läuft der «Etzel» wie gewohnt aus – beispielsweise zum «Etzel»-Fischknusperliessen am 5. Mai oder zum «Züri Fäscht-Feuerwerk» am 6. Juli. Und wie früher steht das historische Boot für Charterfahrten anlässlich Hochzeiten und anderen Festivitäten zur Verfügung.

Unzählige Alterserscheinungen

Auslöser für die grossen Reparaturarbeiten, denen sich der 32 lange und fast 6 Meter breite «Etzel» im Hafen des Baggerei- und Schiffbetriebs JMS in Schmerikon unterziehen lassen musste, war eigentlich nur das undichte Dach. Dann kamen aber unzählige weitere altersschwache Stellen zum Vorschein, und die Verantwortlichen der Genossenschaft MS Etzel mussten das Schiff bis aufs Skelett demontieren und für rund ein Millionen Franken einer Gesamterneuerung unterziehen: So wurde der Kabinenaufbau fast komplett neu erstellt, die Schiffschale an Bug und Heck erneuert und sämtliche schadstoffhaltigen alten Anstriche entfernt und entsorgt. Für den Innenausbau des Fahrgastraums waren zwar die kaputten Kunstharzplatten aus den 60er-Jahre nicht mehr zu ersetzen, dafür kamen Originalfurniere aus Mahagoni zum Vorschein. Nun erstrahlt der neue Fahrgastraum wie anno dazumal. Spenden, Rückstellungen, Unterstützung von Vereinen, Kantonen und Gemeinden, aber auch Darlehen machten die Grossrenovation möglich. Oliver Morel, Präsident der Genossenschaft MS Etzel: «Das war ein Riesengrosser Hosenlupf! Und ich kann es noch gar nicht recht fassen, dass ich jetzt mit dem ‚Etzel’ über den See fahre. Eine Weile lang habe ich schlecht geschlafen. Dann ist ein Stein nach dem anderen vom Herz gefallen.»

(Bilder: Martina Peyer & zvg)