Ferrari 296 Speciale

Monster aus Maranello

Was machen 880 PS auf der Hinterachse mit dem Fahrer? Wir haben es im 296 Speciale auf der Ferrari-Hausstrecke Fiorano bei Maranello ausprobiert.

Text: Roland Löwisch   |   Fotos: zvg

Es dauert nur einen Augenblick, dann ist alles vergessen: Wann schaltet sich der E-Motor zu oder ab? Welche Elektronik-Generation arbeitet jetzt gerade? Was unterstützt derzeit welches Rad? Wie steht der aktive Heckspoiler momentan? Boostet es zurzeit? Sorry, momentan völlig egal. Denn wir sind auf ­Ferraris Teststrecke in Fiorano, sitzen in einem brandneuen 296 Speciale und geben Vollgas. Vom ersten Gasstoss im ­Hybriden an klebt das Hirn von innen am Hinterkopf, der Mund ist trocken, die Beschleunigung – von 0 auf 100 km/h in 2,8 Sekunden – sorgt allein schon durch Fliehkräfte für Mundwinkel nah an den Ohrläppchen. Kein Wunder: 880 PS allein für die Hinterachse bedeuten einen neuen Rekord für ein ­Ferrari-Serienmodell mit reinem Hinterradantrieb. ­Ferraris Chefingenieur ­Gianmaria Fulgenzi nennt das ganze Konstrukt «ein Monster».

Das Auto gibt es deshalb, weil ­Ferrari-Kunden nie genug habenkönnen. Diese Speciale-Version setzt die gute alte Tradition fort von Ferrari Berlinetta-­Sonder­aus­führungen wie Challenge Stradale (mit dem alles begann), 430 Scuderia, 458 Speciale und 488 Pista. Im Falle des 296 Speciale im Vergleich zur «Basis» 296 GTB bedeutet das: plus 50 PS, minus 60 Kilo, plus 20 Prozent Downforce. Von Ferraris Profis fachgerecht bewegt, nimmt der Speciale mit 1:19 Minuten seinem braveren Bruder GTB mit rennstreckentauglichem «Assetto Fiorano»-Paket sagenhafte zwei Sekunden ab auf der knapp drei Kilometer langen Hausstrecke. Und ist damit genauso schnell wie der grosse Bruder SF90 Stradale. 

Allein der V6 sorgt für 700 PS, aber auch der Elektromotor erhielt mehr Kraft: Er liefert nun im neuen ­Extra-Boost-Modus 180 PS. Auch das Aerodynamik-Konzept wurde stark überarbeitet. Besonders ­wichtig ist der Aero Damper, der Luft durch die Motorhaube leitet und für Abtrieb sorgt, was zum Beispiel auch das genaue Einlenken unterstützt. Der 296 Speciale geniesst bei 250 km/h insgesamt 435 Kilogramm Abtrieb, ermöglicht unter anderem auch durch vertikale Finnen am Heck mit neuen und optisch sehr ansprechenden Seitenflügeln, die ­zusammen mit dem aktiven Heckspoiler arbeiten. Schliesslich haben die Ingenieure insgesamt 60 Kilo Gewicht rausgeschmissen durch den Einsatz von Kohlefaser für einige Karosserieteile und Titan für Motorkomponenten. Auch erfreulich: Im Innenraum wurde aufgeräumt und weil auch Racern reale Knöpfe lieber sind als versteckte Digitalfelder. 

Vor dem Start wählen wir links am Volant «Qualifying», um für die Runden die volle Power abrufen zu können. Mit dem wunderbar klassischen Manettino rechts wählen wir mal «Race» und mal «CT-off» – in «Race» sind wir spurtreu und schnell, ohne Traktionskontrolle dagegen langsamer, dafür drehen die hinteren Räder in den Kurven bereits bei nur leichtem Gaspedalstreicheln durch und lassen das Heck kontrolliert ausbrechen.

Monströs ist übrigens auch der Preis: Für das 296 Speciale Coupé verlangt Ferrari 407 000 Euro – das sind fast 124 000 Euro mehr, als der 296 GTB kostet. Die Aperta-Version ist bald für 462 000 Euro zu haben – hier beträgt der ­Aufpreis sogar gut 150 000 Euro. 

Technische Daten Ferrari 296 Speciale Coupé, Aperta

Motoren: V6 Twin-Turbo, E-Motor
Hubraum: 2992 cm³
Systemleistung: 648 kW (880 PS)
Elektrische Reichweite: 25 km
Getriebe: Achtgang-F1-Doppelkupplung 
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4625/1968/1181 mm
Radstand: 2600 mm
Leergewicht: 1410 kg
Sprint 0-100 km/h: 2,8 Sek.
Vmax: 330 km/h
Preis: 407 000/462 000 Euro