Eine berühmte Bezeichnung allein macht noch kein gutes Supercar aus. Aber mit einem V8-Twin-Turbo, drei E-Motoren, 1050 PS und Allradantrieb wird der 849 Testarossa ein Ferrari par excellence.
Text: Roland Löwisch | Fotos: zvg
Testarossa? Da war doch schon mal was? Richtig: In den 1950ern begannen Ferrari-Techniker, die Ventildeckel der im Test besten und stärksten Motoren mit roter Farbe anzumalen, um sie als solche für den präferierten Einsatz im Renngeschehen zu kennzeichnen. Als Modell-Beiname tauchte «Testa Rossa», also «roter Kopf», erstmals beim 500 TR im Jahr 1956 auf. Bekannter aber ist der Ferrari Testarossa von 1984, ein wildes Auto aus Maranello mit unverwechselbaren Lamellen an den Seiten, das jungen und alten Männern noch heute die Tränen in die Augen treibt. Klar, da bietet es sich an, die Bezeichnung zu reanimieren. Und zwar für das neueste unlimitierte Supercar im Ferrari-Portfolio, den Nachfolger des Hybridsportlers SF90. Zur besseren Unterscheidung in Sachen Testarossa gibt es noch die Ziffernfolge 849 – acht Zylinder und 490 Kubik Hubraum je Zylinder.
meint, der als Mittelmotor eingebaut ist. Zusammen mit drei E-Motoren bedeutet das 1050 PS – 50 PS mehr als beim Vorgänger. Für gute Traktion werden alle vier Räder angetrieben, 25 Kilometer rein elektrische Fahrt sind möglich. Der Sprint auf 100 km/h soll in 2,25 Sekunden funktionieren, bei 0 bis 200 km/h werden 6,3 Sekunden angegeben, die Vmax beträgt 330 km/h. Unter anderem grössere Bremsen des Brake-by-Wire-Systems der neuesten Generation sollen für noch mehr Präzision und Konstanz sorgen und die Power zügeln – das Auto braucht im optimalen Fall nur 28,5 Meter von 100 km/h zum Stillstand, und das bei einem Gesamtgewicht von 1570 Kilo beim Coupé. 415 Kilo Downforce bei 250 km/h halten den Wagen auf der Spur, das sind 25 Kilo Abtrieb mehr als beim Vorgänger. Der 849 Testarossa ist sowohl als Coupé als auch – etwas später – als Cabrio zu haben. Der Spider ist 90 Kilo schwerer als das Coupé, davon fallen 80 Prozent auf die Dachkonstruktion und 20 Prozent auf Chassis-Versteifungen.
Im Innenraum orientiert sich Ferrari zurück zu normalen Knöpfen und Schaltern – was die Kunden gefordert haben und die Bedienung zweifellos wesentlich angenehmer macht. Das beginnt beim von vielen Fans und Kunden lange vermissten Starterknopf. Wunderschön ist die in sich geschickt verdrehte Mittelkonsole, die am oberen Teil die deswegen sehr angenehm bedienbare Getriebewähleinheit trägt.
Die Preise betragen CHF 491 121 fürs Coupé und CHF 537 952 für den Spider. Wer sein Auto gerne auf Rennstrecken ausführt, kann gegen Aufpreis noch aufrüsten mit dem «Assetto Fiorano» – dann werden unter anderem noch einmal 30 Kilo rausgeschmissen, andere Reifen mit Kohlefaserrädern und härtere sowie einstufige Multimatic-Stossdämpfer montiert, 35 Prozent leichtere Federn eingebaut und für einen um zehn Prozent reduzierten Wankwinkel gesorgt, was die Karosseriesteuerung ebenso verbessern soll wie die aerodynamische Effizienz. Zusätzlich wird 25 Prozent mehr Downforce generiert, unter anderem durch mehrteilige feststehende Aerodynamikteile am Heck.
Auch damit macht der sich erstaunlich einfach fahrende Ferrari eine ausgezeichnete Figur. Und der Bezeichnung «Testarossa» alle Ehre.
Ferrari 849 Testarossa Coupé
Motor: V8-Twin-Turbo, drei E-Motoren
Hubraum: 3990 ccm
Max. Drehmoment V8: 842 Nm
Systemleistung: 772 kW (1050 PS)
Länge/Breite/Höhe: 4718/2304/1225 mm
Leergewicht: 1570 kg
Sprint 0–100 km/h: 2,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
Grundpreis: CHF 491 121