Aston Martin setzt beim DB12 die Tradition fort, Basismodellen ein aufgewertetes Sportmodell zur Seite zu stellen. Die Änderungen fallen allerdings übersichtlich aus.
Text: Roland Löwisch | Fotos: zvg
Das «S» hat bei Aston Martin Tradition: Einst wurde es im Modellnamen benutzt für die besonders «sportiven» Versionen von DB3 (1953), Vanquish (2004), Vantage (2011), Vantage (2013) Rapide (2013) und nochmal Vanquish von 2016. Aktuell haben die Briten den DBX S und den Vantage S im Programm. Und jetzt bekommt auch noch der Supertourer DB12 die S-Auszeichnung – für rund 16 000 Euro Aufpreis im Vergleich zum normalen DB12. Und was gibt’s dafür? Technisch viel, optisch ein bisschen, fühlbares wenig – zumindest bei normalen Ausfahrten.
Zur Technik: Gerade mal 20 PS mehr spendieren die Briten der S-Version, was sich auf 700 PS aus dem V8-Biturbo summiert. Das maximale Drehmoment von 800 Nm bleibt gleich. Damit will der Sportler eine Zehntelsekunde schneller auf 100 km/h sprinten (jetzt in 3,5 Sekunden), die Vmax von 325 km/h ändert sich nicht. Allerdings wurde unter anderem das Getriebe neu kalibriert, die Druckstufen der Dämpfer überarbeitet mit grösserem Federweg, die Nickbewegungen minimiert, die Rollsteifigkeit der Hinterachse um sieben Prozent verbessert, das Untersteuern im Grenzbereich reduziert, das E-Diff neu abgestimmt, um die Traktion am Kurvenausgang zu verbessern und die Reibung in der Mittellage der Lenkung beseitigt. Ferner gibt es das Apple Car Play der nächsten Generation und serienmässig Carbon-Keramik-Bremsen – die sind beim normalen DB12 nur als aufpreispflichtige Option zu haben.
Optisch sind Veränderungen von versierten Betrachtern gut zu erkennen, vor allem vorne und hinten. Vorne hat der Frontsplitter an den Seiten kleine Doppelflügel bekommen, die den Abtrieb erhöhen sollen. Hinten gibt es jetzt vier statt zwei Auspuffendrohre, die visuell geschickt vertikal angeordnet sind. Ein Gurney-Flap auf dem Heckdeckel ist jetzt fest installiert, er soll den Abtrieb am Heck verbessern.
Schade, dass die vielen Verbesserungen nur bei wirklich scharfer Fahrt zu spüren sind – jedenfalls kaum auf den Autobahnen und Landstrassen in Marseilles Hinterland, wo Aston Martin den Wagen präsentiert. Höchstens die Schaltvorgänge der Achtgangautomatik, die jetzt in 120 Millisekunden passieren, also um 43 Prozent schneller agieren als beim DB12, lassen die Eingriffe erahnen. Und der Eindruck des Sounds wirkt tiefer und voller als beim günstigeren Einstiegsmodell. Kein Wunder: Aston Martin hat das Edelstahl-Abgassystem mit aktiver Klappensteuerung verbessert und die Bassfrequenzen verstärkt. Optional ist auch ein Titan-Auspuff zu haben – wie in unserem Onyx-schwarzen Testwagen verbaut, der 11,7 Kilo Gewicht einspart und den Sound um 1,5 dB verstärkt. Das künstliche Spotzen beim Herunterschalten ist sportwagenüblich, im Vergleich zu anderen Herstellern im DB12 S zum Glück gerade noch genug englisch zurückhaltend.
Ist so ein S also 254 283,53 Euro (Coupé) und 270 557,67 Euro (Cabriolet) wert? Es kommt wohl drauf an, ob man die aktuelle Technik zur Verfügung haben möchte oder eine geschärfte Optik. Alle anderen können weiterhin zum normalen DB12 greifen – zu Preisen von 238 009,38 Euro und 254 283,53 Euro.
Technische Daten
Aston Martin DB12 S Coupé
Motor: V8-Biturbo
Hubraum: 3982 ccm
Leistung: 515 kW (700 PS) bei 6000/min
Max. Drehmoment: 800 Nm bei 2750 – 6000/min
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
L/B/H: 4725/1980/1290 mm
Radstand: 2805 mm
Gewicht: 1820 Kilo
Sprint 0-100 km/h: 3,5 Sek.
Vmax: 325 km/h
Preis: 254 283.53 Euro