Meilen ist zu jener Zeit auf dem Landweg nur über eine ungepflasterte Strasse mit Zürich und Rapperswil verbunden, umso wichtiger ist der Seeweg auf dem Zürichsee. Waren werden bevorzugt mit Weidlingen und Frachtschiffen transportiert, und auch die Fischerei ist von Bedeutung. Gute Voraussetzungen für einen Bootbaubetrieb. Also erwirbt der ursprünglich aus Horgen stammende Schiffmacher David Suter in Obermeilen Grundstücke und Liegenschaften direkt am See und beginnt in offenen Schiffshütten mit dem Bau und der Reparatur von Fischerbooten. Sein Sohn David tritt in seine Fussstapfen, ebenso sein Enkel David, und alle bauen den Betrieb kontinuierlich aus, sodass bald auch Frachtschiffe und Weidlinge gebaut werden können.

Mit der Anstellung von Felix Portier, einem jungen Bootbauer aus dem savoyischen Thonon am Genfersee, wird 1914 ein neues Kapitel in der Firmen- und Familiengeschichte aufgeschlagen: Felix Portier ist ein kompetenter Fachmann und visionärer Geist, der die Zukunft des Betriebs im aufkommenden Bereich der Freizeitschifffahrt sieht. Und er ist ein Charmeur: er erobert das Herz der fünftgeborenen Tochter seiner Chefin, Paulina Rosa (Rösy), und heiratet 1917 in die Familie ein. Fortan heisst die Firma Suter & Portier, und Felix Portier leitet zusammen mit seiner Frau deren Geschicke.
(Alle Bilder: zvg Portier AG)

 

Felix Portier in seinen Anfängen bei der Yachtwerft Meilen. Stolz präsentiert er seine vollendete
Arbeit, das Motorboot JUBILE.

Eingang zur Bootswerft ca. 1920. Besuchern wird gutes Schuhwerk empfohlen...

 

Mit grossem Erfolg, erlebt das Unternehmen eine erste Blüte: es werden nun auch Motorschiffe, grosse Ledischiffe, Segelyachten, ja gar Personenschiffe – notabene für den Langensee – sowie Hausboote und erste
Motor-Rennboote vom Stapel gelassen. Ein Blick in die Auftragsbücher von 1916 bis 1938 liest sich wie das «who is who» der damaligen Zeit.

1941 kommt es zum Bruch zwischen den beiden Besitzerfamilien, und Portier wird zum alleinigen Firmennamen. In den Kriegsjahren spezialisiert sich die Werft auf den Bau von Stahlschiffen und führt schweizweit als einziger Betrieb Holz-, Polyester- und Stahlschiffe im Fabrikationsprogramm. Die Yachtwerft Portier gilt zu der Zeit als erste Adresse, ob für Lastschiffe bis 150 Tonnen Zuladung oder für Luxusyachten wie die L’ELMA, die 1952/52 für das Juwelierhaus Cartier gebaut und als schönstes Motorschiff auf dem Genfersee gefeiert wird. Illustre Gäste wie der Schweizer Bundesrat oder der amerikanische Präsident Eisenhower vergnügen sich an Bord dieses 20 Meter langen «Schmuckstücks».

Die L’ELMA 1952 während ihres Baus.

Segelboot-Bau.

 

1960 werden eine grosse Halle, Steganlagen mit Tankstelle sowie Sommertrockenplätze errichtet, und 1966 erfolgt die Umwandlung in eine AG. Die Yachtwerft Portier AG ist geboren und es beginnt die grosse Ära der Sport-Segelboote: bis 1972 werden rund 300 Star-Boote in Holz- und Glasfiberbauweise gefertigt und ab 1975 rund 650 Yngling.

Werfthalle, 1960 errichtet.

 

Zukunftsgerichtet werden aber schon damals Vertretungen von weltbekannten Motor- und Segelbootmarken übernommen. Dies zahlt sich aus, denn durch eine strategische Neuausrichtung hin zum Verkaufs-, Service- und Reparaturzentrum wird zum Millenniumswechsel die Eigenfabrikation von Booten nach über 2000 produzierten Einheiten eingestellt.

1987 wird die ganze Werft nach modernsten Erkenntnissen komplett neu gebaut und mit einem einzigartigen Trocken- und Winterlagersystem ausgestattet.

Geschäftsführerin Ariane Vonwiller im Winterlager mit Platz für 45 Boote.

2004 folgt der Umbau des Bürotrakts mit  einer Erweiterung um 4 Wohnungen. Und 2013 dann der vorläufig letzte Streich: Der Showroom wird den gewachsenen Bedürfnissen angepasst und komplett neu gebaut,
womit sich gleichzeitig die Winterlagerkapazitäten nochmals erhöhen.