Wenn aus Ideen ein Ort wird, steckt oft mehr dahinter als gutes Design. Bei La Piana zeigt sich, wie Werkstattpartner im Zusammenspiel Räume schaffen, die eine besondere Atmosphäre entfalten. Aus Austausch wird Inspiration, aus Vertrauen Qualität und aus vielen Perspektiven ein stimmiges Ganzes, das man nicht nur sieht, sondern spürt.
Text: Daniela Knauer | Fotos: zvg
La Piana ist kein Projekt, das linear entstanden ist, sondern ein Prozess, der sich aus vielen Händen entwickelt hat, die sich immer wieder abgestimmt, ergänzt und gegenseitig herausgefordert haben.
Am Anfang stand die Vision: ein ganzheitlicher Ansatz, der auf einer klar definierten künftigen Nutzung als Feriendomizil sowie einem feinen Verständnis für die Bedürfnisse und Erwartungen zukünftiger Gäste und unterschiedlicher Zielgruppen beruhte. Aus dieser ersten Idee heraus stellte sich die zentrale Frage, wie ein lange verlassener Gutshof wieder zu einem lebendigen Ort mit Zukunft werden kann und welche Haltung es dafür braucht.
Kaspar Partner Architekten entwickelten dafür drei einfache, aber klare Leitgedanken: Das Volumen des Hauses bleibt erhalten, Eingriffe werden bewusst erkennbar gemacht und es kommen ausschliesslich Materialien aus der Region sowie traditionelle Handwerkstechniken zum Einsatz. Diese Haltung prägt das gesamte Projekt und verleiht ihm eine ruhige, stimmige Gesamtwirkung. Da La Piana ursprünglich kein Wohnhaus war, begann die Arbeit bei den Grundlagen. Wasser und Strom mussten zunächst herangeführt, die stark geschwächte Struktur gesichert und Fundamente angelegt werden. Schritt für Schritt entstand so eine neue innere Struktur im bestehenden Baukörper, ein «Haus im Haus», das heutigen Anforderungen entspricht, ohne den Charakter des Ursprünglichen zu verlieren. Die Spuren der Vergangenheit blieben dabei bewusst sichtbar. Risse im Mauerwerk, unregelmässige Linien und alte Details erzählen bis heute von der langen Geschichte des Orts. Selbst kleine Elemente wie ein alter Haken in der Küche, an dem der «Calderone» mit Polenta über dem offenen Feuer hing, erinnern an frühere Zeiten und verbinden die heutige Nutzung unmittelbar mit der Vergangenheit und ihrer Geschichte. Die Räume sind weit und öffnen sich fliessend zur Landschaft. Veranda, Sonnendeck und Infinity-Pool erweitern den Wohnraum nach aussen und holen die Umgebung ins Haus. Verwendet wurde Travertin aus Rappolano Terme, dessen warme, natürliche Ausstrahlung sich durch Böden und Bäder zieht. In den Schlafzimmern sorgt ein charakterstarker Parkettboden aus Arezzo, in der Schweiz vertreten durch die Boden und Pflege AG, für eine ruhige und angenehme Atmosphäre.
Die Möbel stammen nahezu ausschliesslich aus italienischer Produktion, unter anderem von Molteni, Plivio il Giovane und Ethimo, konzipiert und geliefert von Abitare Studio. Sie sind bewusst zurückhaltend gewählt und unterstreichen die klare, ruhige Sprache des Hauses. Die individuell gefertigte Edelstahlküche aus der Lombardei von Elmar Treviso bildet einen modernen Mittelpunkt und setzt einen feinen, klaren Kontrast zur historischen Bausubstanz.
Der Bau erstreckte sich über fünf Jahre und war geprägt von engem Austausch, vielen Gesprächen und laufenden Abstimmungen zwischen allen Beteiligten. Auch in anspruchsvollen Phasen, nicht zuletzt während der Pandemie, blieb der Dialog vor Ort konstant. Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen und Lösungen fortlaufend weiterentwickelt. In dieser Kontinuität zeigt sich die Arbeitsweise der Partner der Immobilienwerkstatt: Unterschiedliche Spezialisten wurden gezielt eingebunden, Abläufe klar strukturiert und gleichzeitig offen für Anpassungen gehalten. Schritt für Schritt entstand so ein Werk, das weit über ein klassisches Bauprojekt hinausgeht. Aus dem direkten Austausch heraus entwickelten sich oft die stimmigsten Lösungen, getragen von Vertrauen, Erfahrung und einem gemeinsamen Verständnis für Qualität. La Piana ist heute ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart selbstverständlich ineinandergreifen. Die Architektur bewahrt die Geschichte und macht sie gleichzeitig neu erlebbar, ruhig, klar und ohne Eile.
Gesamtkonzept: Blaser Gränicher AG
Architektur: Kaspar Partner Architekten AG
Möblierung & Küchendesign: Abitare Studio AG
Herstellung Küche: Elmar Treviso
Konzept Bodenbeläge: Boden und Pflege AG
Die Bewirtschaftung des Anwesens folgt derselben Haltung wie die Architektur: Olivenhaine und Felder prägen das Gut, Landwirtschaft wird als Teil des Ganzen verstanden.
Die über Generationen gewachsenen Bäume stehen für Geduld und Qualität. In Handarbeit entsteht ein Olivenöl, das diese Ursprünglichkeit trägt. Auch ausserhalb der Toskana ist es erlebbar: Das Olivenöl Manfredo il Maremmano ist in limitierter Menge bei Blaser Gränicher erhältlich.
La Piana kann zudem als Ferienunterkunft gemietet werden und bietet Raum für Ruhe und Auszeit: