Palm Beach Motor Yachts, bekannt für ihre modernen Motoryachten im Retro-Stil, wurde 1995 von Mark Richards gegründet und hat ihren Hauptsitz sowie die Hauptproduktionsstätte in Berkeley Vale, New South Wales, Australien. Im letzten Jahr kaufte Richards die berühmte Regattayacht Wild Oats XI und nannte sie kurzerhand in Palm Beach XI um. Die 100 Fuss lange Supermaxi gab beim 80. Rolex Sydney Hobart Yacht Race im Dezember 2025 ihr erfolgreiches Comeback – Erkenntnisse aus dem harten Regattaeinsatz sollen direkt in die Entwicklung der Motoryachten der Marke einfliessen. Richards vergleicht das Konzept mit der Formel 1 im Automobilbau.
Text: Matt. Müncheberg | Fotos: Palm Beach Motor Yachts
Mit der neuen Palm Beach 85 stellt die Werft nach eigenen Aussagen ihr neues Flaggschiff vor, das sie als einen «Meilenstein in der Geschichte von Palm Beach Motor Yachts» bezeichnet. War die Marke bisher vor allem für Motoryachten zwischen 32 und 70 Fuss bekannt, erweitert die PB85 die Designphilosophie von Palm Beach nun in eine neue Kategorie.
Das Konzept unkomplizierter Wohnräume, individuell anpassbarer Raumaufteilungen und ein fliessender Übergang zwischen Innen- und Aussenbereich soll einen modernen Cruiser-Stil widerspiegeln. Dank fortschrittlicher Verbundwerkstofftechnik bietet die PB85 die für die Marke typische Leistung und Treibstoffeffizienz. Die patentierte V-Warp-Technologie solle dafür sorgen, dass die PB85 selbst «in dieser Grösse aussergewöhnliche Geschwindigkeiten, hohe Reichweiteneffizienz und bemerkenswerten Fahrkomfort» bieten können soll.
Bei der V-Warp-Technologie handelt es sich um ein Konstruktionsverfahren, das Hochgeschwindigkeits-Rumpfformen, leichte Materialien wie Carbon und präzise Harzinfusion miteinander verbindet. Entwickelt von Mark Richards selbst, zielt es neben einem möglichst geringen Verbrauch auf hohe Reisegeschwindigkeiten und Stabilität ab.
Mit hohen Geschwindigkeiten und der Auslotung der Grenzen des technisch Machbaren auf dem Wasser kennt sich Richards wie kaum ein Zweiter aus – der leidenschaftliche und sehr erfolgreiche Segler kaufte im letzten Jahr – dem 30. Jubiläumsjahr seines Unternehmens – die berühmte Regattayacht Wild Oats XI und nannte sie kurzerhand in Palm Beach XI um.
Die 100 Fuss lange Supermaxi ist dabei nicht irgendein Segelboot: Die schlanke, auf Speed getrimmte Superyacht gilt als eine der erfolgreichsten Offshore-Rennyachten der Welt. Neunmal gewann sie die prestigeträchtige Regatta von Sydney nach Hobart nach berechneter Zeit.
Mark Richards kennt die Yacht gut: Bereits seit mehr als 20 Jahren steuert er die frühere Wild Oats XI. Gemeinsam mit der ehemaligen Eigner-Familie Oatley feierte er zahlreiche Siege. Für den Neustart wurde die Supermaxi umfassend modernisiert. Ziel sei es, die Yacht «technisch wieder an die Spitze des internationalen Offshore-Sports» zu bringen, heisst es aus der Werft.
«Ich bin der Familie Oatley zutiefst dankbar für ihre grossartige Unterstützung und Freundschaft in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten; gemeinsam haben wir die Wild Oats XI zu einem Massstab im weltweiten Hochsee-Segelsport gemacht», sagte Mark Richards, es sei ihm «eine Ehre, dieses Erbe nun unter dem Namen Palm Beach Motor Yachts weiterzuführen.»
Ob es sich nun um eine 100-Fuss-Supermaxi oder eine Palm Beach Motor Yacht handle – seine Prinzipien würden stets dieselben bleiben: «Maximierung der Festigkeit, Minimierung des Gewichts und das Streben nach kompromissloser Leistung.» Das Management einer Rennyacht gleiche der Führung eines Unternehmens: Man baue ein geschlossenes Team auf, das sich voll und ganz auf ein gemeinsames Ziel konzentriere, und arbeite diszipliniert und präzise zusammen.
Zu den wichtigsten Änderungen an der Supermaxi gehören ein tieferer Kiel mit neuer Bombe, moderne Schwerter («advanced upwind daggerboards») sowie markante C-Foils. Sie sollen Auftrieb erzeugen, den Wasserwiderstand senken und die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten verbessern. An der Weiterentwicklung arbeiten namhafte Spezialisten mit. Dazu zählen der Konstrukteur Juan Kouyoumdjian, die Werft McConaghy Boats sowie North Sails.
Palm Beach Motor Yachts versteht das Projekt – neben der Funktion als segelnde Marketing-Plattform – auch als Technologieträger. Erkenntnisse aus dem harten Regattaeinsatz sollen direkt in die Entwicklung der Motoryachten der Marke einfliessen. Richards vergleicht das Konzept dabei gern mit der Formel 1 im Automobilbau.
Nach 165 Tagen Umbau wurde Palm Beach XI Mitte Dezember 2025 in Sydney offiziell getauft. Mehr als 300 Gäste verfolgten die Zeremonie im historischen Woolwich Dock. Schon wenige Tage später trat die Yacht beim legendären 80. Sydney Hobart Yacht Race gegen fünf weitere 100-Fuss-Supermaxis an. Insgesamt gingen 133 Boote an den Start.
Bei den prestigeträchtigen Line Honours (also die Reihenfolge des tatsächlichen Zieleinlaufs) belegte Richards einen beachtlichen fünften Platz (hinter 1. Master Lock Comanche, 2. LawConnect, 3. SHK Scallywag 100 und 4. Lucky). Die Yacht benötigte für die 628 Seemeilen lange Strecke rund 2 Tage, 7 Stunden und 52 Minuten.
Beachtlich war das vor allem deshalb, weil es sich um ein 20 Jahre altes Schiff handelt, das innerhalb der äusserst kurzen Zeit von nur 165 Tagen radikal umgebaut wurde. Platz fünf galt deshalb intern durchaus als voller Erfolg. Mehrere Medien betonten nach dem Rennen, dass Palm Beach XI quasi noch im Entwicklungsstadium unterwegs gewesen sei (die neuen C-Foils wurden im eigentlichen Rennen sogar vorsichtshalber noch nicht eingesetzt).
Für das Team um Mark Richards galt die Regatta vor allem als erster Härtetest nach dem radikalen Umbau der Supermaxi. Die neue Technik – im Rennen war das vor allem der überarbeitete Kiel und die Daggerboards – sollte zunächst einmal unter echten Offshore-Bedingungen erprobt werden.
Aktuell konzentriert sich das Team um Mark Richards auf weitere, intensive Erprobungsfahrten in der Tasmansee. Dabei stehen vor allem die neuen C-Foils im Mittelpunkt. Im Februar 2026 konnte das Team erste erfolgreiche Testfahrten mit Geschwindigkeiten von bis zu 29 Knoten (53,7 km/h) bei rund 22 Knoten Wind vermelden. Die kommenden Offshore-Regatten versprechen spannend zu werden.
Der Abdruck dieses Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Mari Team-Verlags, der Erstabdruck erfolgte in MEER & YACHTEN 2-26, Heft bestellen / abonnieren:
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