Leiter einer der führenden Kliniken für Dermatologie, Inhaber eines Sterne-Restaurants, Investor bei der TV-Show «Höhle der Löwen», Buchautor: Unternehmer Felix Bertram scheint den Erfolg gepachtet zu haben. Trotz eines Unfalls, der ihn ein Bein kostete.
Text: Ursula Burgherr | Fotos: zvg
Das Entrée der Dermatologie-Klinik Skinmed in Lenzburg mutet nicht medizinisch und steril, sondern eher wie eine elegante, lichtdurchflutete Hotellobby an. Die Büroräume von Klinikinhaber Felix Bertram befinden sich in einer der oberen Etagen. An seiner Tür stehen die Namen seiner 12 Hunde. Auf dem Schreibtisch sticht ein Foto seiner Rehpinscher-Dame Paula ins Auge. «Sie wurde 19 Jahre alt und war mein Seelenhund», erzählt der Arzt und Unternehmer. Seine Vierbeiner, die meisten davon gerettete Strassenhunde, bedeuten ihm alles. 51 Jahre alt ist der gebürtige Deutsche, aber man schätzt ihn 20 Jahre jünger. Mindestens! Er ist selbst der beste Werbeträger für sein erstes eigenes Buch «Hacking Age». Darin schildert der Dermatologe, wie er radikal sein Leben umstellte, nachdem sein biologisches Alter bei einem Gesundheitscheck auf 74 geschätzt worden war. Dabei war er damals gerade 49. Für ihn war es Schock und Weckruf zugleich. «Ich habe jahrelang rund um die Uhr gearbeitet, um Skinmed gross zu machen. Dafür habe ich einen hohen Preis gezahlt und meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt», erzählt Bertram. Fünf Standorte und 150 Angestellte hat sein Unternehmen mittlerweile und gehört zu einer der führenden Schweizer Kliniken für Dermatologie und Ästhetik mit einem breiten Angebot in den Bereichen Hautgesundheit, ästhetische Medizin sowie plastische und ästhetische Chirurgie. In Lenzburg befindet sich neben den Praxisräumen auch ein Privatspital mit sieben Betten. Aber eben: Was nützt aller Erfolg, wenn der Körper und die Psyche am Anschlag sind. «Früher habe ich ungesund gegessen, abends zum Runterfahren Alkohol getrunken und wenig geschlafen. Ich stand ständig unter Hochstrom, hatte mit Übergewicht zu kämpfen und praktisch null Privatleben. Es war ein Teufelskreis», erzählt der heute gertenschlanke Mann.
Mit «Hacking Age» richtet sich Bertram vor allem an Menschen, die auf der Überholspur durchs Leben fahren und sich ständig gestresst fühlen. Auf 200 Seiten beschreibt er seine Reise zu einem in jeder Beziehung besseren Leben – zum einen gesundheitlich, aber auch, was die persönliche Entwicklung anbetrifft. Und er nimmt eines gleich vorweg: «Wer meint, er könne so weiterfahren wie bisher und einfach ein paar teure Supplements schlucken, liegt falsch. Das bringt gar nichts. Die Grundlagen für Longevity sind einfach, fordern aber etwas Disziplin: guter Schlaf, gesunde Ernährung und Sport. Und vor allem: immer wieder Erholungsphasen. Ein Highperformer braucht sie genauso wie ein Spitzensportler.» Die gute Nachricht: «Ob wir gesund und fit älter werden, bestimmen wir zu 90% durch unseren eigenen Lebensstil. Jeder und jede hat es also selbst in der Hand.» Ganz wichtig ist für Bertram, dass Bewegung und ausgewogenes Essen stets auch Freude bereiten. Wenn er Sport macht, hört er beispielsweise immer seinen Lieblingspodcast. Und er geniesst gerne, was auf den Teller kommt. 2022 eröffnete er im Klinikgebäude in Lenzburg das Restaurant Skin, in dem kreative Leichtigkeit und Spezialitäten aus aller Welt serviert werden. Zuerst war es eigentlich nur für die Mittagspause seiner Angestellten und die Förderung eines guten Arbeitsklimas gedacht. Weil die Crew aus Spitzenköchen auch abends wirksam sein wollte, wurde es öffentlich und erhielt kurz darauf zwei Michelin-Sterne.
Nicht immer war Bertram vom Erfolg gekrönt. In seiner Schulzeit in Hamburg wurde er als Komparse für die Serie «Vater braucht eine Frau» entdeckt. Bald bekam er kleine Nebenrollen und drehte mit Grössen wie Heiner Lauterbach, Christoph Waltz und Christoph Maria Herbst. Sein Traum, Schauspieler zu werden, schien zum Greifen nah. Doch als er 19 war, passierte es. «Ich hatte das Abitur frisch in der Tasche und wollte einen Freund auf meinem Motorrad nach Hause bringen. Da fuhr ein Autofahrer frontal in mich hinein», erinnert sich Bertram. Die Folgen waren verheerend. Polytrauma mit inneren Blutungen – er lag mehrere Wochen im Koma und sein linker Unterschenkel musste amputiert werden. «Die ersten Wochen waren hart», erinnert er sich. Doch sein unerschütterlicher Optimismus überwiegte auch in dieser schweren Zeit: «Statt mir zu sagen, wie schlimm meine Situation sei, fühlte ich mich glücklich, dass ich überlebt hatte und nicht im Rollstuhl sass.»
«Da mache ich jeweils ein Meeting mit
mir selbst und reflektiere, was gut gelaufen ist
und wo in meinem Leben Änderungsbedarf besteht.»Felix Bertram
Heute kann Felix Bertram dank seinem starken Willen und einer Prothese zu 90% wieder alles machen wie zuvor. Die Schauspielkarriere musste er damals allerdings an den Nagel hängen. Aber dafür reifte nach dem langen Krankenhausaufenthalt der Entscheid, Medizin zu studieren. Später verdiente er seine Sporen als Assistenzarzt in der Unfallchirurgie ab und spezialisierte sich schlussendlich auf Dermatologie. Per Zufall entdeckte er eine Praxis in Aarau. Sie stand zum Notverkauf, weil kein Nachfolger gefunden wurde. Bertram schlug zu und war so erfolgreich, dass er wenige Jahre später nach Lenzburg expandierte. Ist sein jetziger Weg im Rückblick der bessere als die verpasste Schauspielkarriere? «Ich denke schon», meint er, «ich hätte mich wahrscheinlich in dieser Scheinwelt auf Dauer nicht wohlgefühlt. Das Berühmtsein hat seine Tücken.» Prominent ist er dann aber doch geworden. Seit vier Jahren steht er als Investor bei der TV-Show «Höhle der Löwen» vor der Kamera und findet es ungeheuer spannend, sich als Geldgeber für junge Startups zu engagieren.
Aus seiner operativen Tätigkeit als Arzt hat sich Bertram weitgehend zurückgezogen und die Leitung seines Unternehmens Skinmed einem erfahrenen Team übergeben. Er bleibt weiterhin Inhaber, fungiert aber jetzt mehr als Takt- und Ideengeber für den Betrieb. Sein Innovationsgeist führt ihn rund um die Welt, um sich über die neuesten technologischen Errungenschaften kundig zu machen. «Ich will als Investor ein Gespür dafür bekommen, was künftig auf uns zukommt», bekundet er und ist überzeugt, dass in wenigen Jahren alle selbst per digitaler Uhr die relevanten Blut- und Vitalwerte messen können. Wenn Bertram zu Hause ist, geht er morgens zum Sport, arbeitet dann vier bis fünf Stunden für seine Unternehmen und reserviert den Rest des Tages für die Pflege seiner privaten Beziehungen. Ganz wichtig ist ihm der Freitagmorgen. «Da mache ich jeweils ein Meeting mit mir selbst und reflektiere, was gut gelaufen ist und wo in meinem Leben Änderungsbedarf besteht.»
Wer weiss, was der umtriebige Unternehmer beruflich noch alles in Angriff nimmt. Er fordert sich gerne selbst heraus. Sein nächstes grosses Ziel: «Ich möchte 25 000 Kilometer auf der Panamericana von Alaska nach Argentinien per Fahrrad zurücklegen», verrät er und hat sich bereits Tipps bei Extremsportler Jonas Deichmann geholt. Und man glaubt ihm sofort, dass er auch diesen Plan – wie so vieles andere in seinem Leben – erfolgreich in die Tat umsetzen wird.