Im Goldschmiede-Beruf sind handwerkliche Präzision, künstlerisches Gespür und geduldige Hingabe gefragt. Die Herstellung von Schmuckstücken aus edelsten Materialien fasziniert seit Jahrhunderten und setzt eine vierjährige Lehre voraus
Text: Ursula Burgherr | Fotos: zvg
Im Goldschmiede-Atelier Tessa in Lachen ist höchste Konzentration angesagt. Zwei Goldschmiedinnen und eine Lehrtochter sind völlig in ihre Arbeit vertieft. Ab und zu durchbricht das Surren von einem Fräser oder das Zischen eines Lötbrenners die Stille. Jetzt, in der wärmeren Jahreszeit, sind vor allem Eheringe gefragt, die einen ganz persönlichen Touch haben. Aber längst nicht nur. «Die Bandbreite der Kundenwünsche ist riesig», sagt Atelier-Inhaber und Goldschmied Claudio Tessa und fügt hinzu, «wir mussten schon einen Autoschlüssel für einen Bentley aus purem Gold herstellen oder einen Ring, auf dem ein vollplastischer Drachen thront.» Beim Anblick der kostbaren Edelsteine und Perlen, die später zu einzigartigen Schmuckstücken verarbeitet werden, fangen so manche Augen an zu glänzen. Entgegen dem Volksmund ist im Atelier Tessa wirklich alles Gold, was glänzt. Zumindest fast. «Wegen des hohen Goldpreises weicht man heute auch auf kostengünstigere Metalle wie beispielsweise Tantal oder Damaszener-Stahl aus, die wieder eine ganz andere Bearbeitungstechnik erfordern als die gängigen Edelmetalle», bekundet Tessa. Im Beruf des Goldschmieds werde man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und das mache ihn so spannend. Die Lehre zum Goldschmied bzw. zur Goldschmiedin dauert vier Jahre. «Aber auch ich lerne immer wieder Neues dazu», meint der Schmuckhersteller, dessen Betrieb 2026 sein 25-jähriges Bestehen feiern kann.
Vier Jahre Ausbildung ist eine lange Zeit und setzt eine gewisse Ausdauer voraus. Wer sich für den Goldschmiede-Beruf entscheidet, sollte zudem gute manuelle Fähigkeiten, ein Gespür für Ästhetik, das für die Umsetzung von Entwürfen notwendige Vorstellungsvermögen und viel Geduld mitbringen. «Wir arbeiten oft stundenlang und hochkonzentriert an einem Schmuckstück», erzählt Tessa aus Erfahrung. In Zürich werden dreitägige Schnupperkurse angeboten, bei denen Interessierte Einblicke in die Grundtechniken (Sägen, Feilen, Löten, Biegen) des Handwerks bekommen. Weil die Ausbildung für ein Geschäft enorm aufwendig ist, sind Lehrstellen rar. Deshalb braucht es bei der Suche manchmal einen langen Atem, bis es klappt. Die Lehre zum Goldschmied/zur Goldschmiedin EFZ besteht aus drei Teilen: Neben der primären Beschäftigung am Lehrort gehen die Auszubildenden einen Tag pro Woche an eine Berufsfachschule und besuchen verschiedene überbetriebliche Kurse in einer Lehrwerkstatt. Zunehmend vereint der Beruf altes Traditionshandwerk mit modernen, innovativen Technologien. Der neue, seit vier Jahren bestehende Ausbildungsplan für die Goldschmiede-Lehre ist breit gefächert und beinhaltet neben Design und Handwerk auch Offert- und Bestellungswesen, Verkauf und digitale Verarbeitungsmethoden wie CAD und 3D-Druck. Entsprechend vielfältig sind die Spezialisierungsmöglichkeiten, welche die fertig ausgebildeten Goldschmiedinnen und Goldschmiede haben.
Goldschmied/in ist für Claudio Tessa nach wie vor ein Beruf mit Zukunft: «Gerade in Zeiten der Digitalisierung und Massenproduktion ist die Nachfrage nach einem handwerklich gefertigten Unikat gross», sagt er überzeugt. Die Faszination am Umgang mit Juwelen und edlen Metallen machen den Beruf besonders attraktiv. Bis ein Lehrling damit arbeiten kann, dauert es allerdings mindestens zwei Jahre. Für Übungszwecke werden zuerst kostengünstigere Materialien wie Messing und Kupfer zur Verfügung gestellt, bei denen Fehler nicht so ins Gewicht fallen wie bei den teuren Preziosen. Das Grundwerkzeug mit verschiedenen Zangen und Hämmern muss ein Lehrling selbst beschaffen. «Diese Investition beläuft sich auf rund 1000 Franken – hält aber ein Leben lang», meint Tessa. Auch die Freude der Kundinnen und Kunden an den Schmuckstücken, die er und sein Team anfertigen oder umarbeiten, hält oft zeitlebens – manchmal sogar über mehrere Generationen hinweg. Gerade mit handgefertigten Einzelstücken verbindet sich ganz persönliche und emotionale Geschichte.
Das Atelier Tessa Goldschmiede an der Seidenstrasse 6 in Lachen fertigt seit einem Vierteljahrhundert mit Leidenschaft, Präzision und viel Liebe zum Handwerk individuelle Schmuckstücke an und führt eine kleine, aber feine Auswahl an Uhrenmarken. Ob spezielle Sukendi Südseeperlen oder seltene australische Parti-Saphire: Bei allen Preziosen wird auf die Nachverfolgbarkeit der Lieferkette, ethische Arbeitsbedingungen und ressourcenschonende Herstellung geachtet.