Die innovative Katamaran-Yachtwerft Aquila («Adler») präsentierte in Cannes gleich vier Premieren: Neben der Weltpremiere Aquila 46 Yacht und der Aquila 50 Yacht gab es einen ersten europäischen Blick auf die beiden eleganten Coupés 42 und 46 – erstmals ausgestattet mit Volvo Penta Dual Propeller Inboard (DPI), Assisted Docking und Joystick Driving. Und: Aquila Power Catamarans setzt bei den beiden Coupés standardmässig auf das Hydro-Glide-Foiling-System – Grund genug für die Seesicht-Crew, im Oktober 2025 in Frejus zu einer Testfahrt an Bord zu gehen.
Text: Matt. Müncheberg | Fotos: Aquila / muencheberg.media
Noch nichts von Sino Eagle Yachts gehört? Der «chinesische Adler» ist bekannt für seine hochmodernen Produktionsanlagen für Verbundwerkstoffe in Hangzhou und fertigt die Aquila-Modellreihe, welche von Anfang an Standards in der Szene setzte. Die Partnerschaft mit MarineMax und der J&J Design Group begann bereits vor 13 Jahren im Jahr 2012 und führte schliesslich zur Gründung der Marke Aquila (nicht zu verwechseln mit der Zweimannjolle für Jugendliche und Erwachsene mit Spinnaker und Trapez aus dem Jahr 1972).
Die Produktionsstätte der Sino Eagle Group gilt dabei als eine der umwelt- und mitarbeiterfreundlichsten Fabriken weltweit und verfügt über ein weitläufiges Produktionsgelände inklusive eines grossen Indoor-Testbeckens. Sino Eagle produziert aktuell unter der Marke Aquila Power Catamarans eine Reihe von Motorkatamaranen mit Längen von 28 bis 70 Fuss. Der neueste Wurf der innovativen Werft sind die Modelle 42 und 46 der Coupé-Reihe, erstmals der Weltöffentlichkeit auf der Miami International Boat Show im Februar 2025 präsentiert – und als Europapremiere im September in Cannes gezeigt.
Motorkatamarane werden inzwischen von mehreren Herstellern angeboten. Das besondere an den neuen Coupés von Aquila ist jedoch, dass beide Modelle serienmässig mit dem patentierten Aquila-Hydro-Glide-Foil-System ausgestattet sind, einem festen, achtern zwischen den Rümpfen verbauten Carbonfaser-Tragflügel, der bisher nur optional für ausgewählte Power-Katamaran-Modelle erhältlich war.
«Als wir mit der Entwicklung der Coupe-Serie begannen, war uns klar, dass wir Foils als Option für die Eigner anbieten wollten», sagt Jean Raas, Chief Product Officer und CEO von Aquila USA. «Wir haben viel aus der Erfahrung mit Foils auf unseren 36 Sport-Katamaranen gelernt. Die optimale Formgebung zu finden, war ein umfangreicher Prozess aus Versuchen und Experimenten, aber die Leistungssteigerungen, die wir bei diesen Booten erzielten, waren unglaublich – eine Kraftstoffersparnis von bis zu 35 Prozent.
Nachdem wir erkannt hatten, wie sehr unsere Foils die Kraftstoffeffizienz und den Fahrkomfort verbessern, entschieden wir uns, sie bei den Coupes zur Standardausstattung zu machen.» Der 36 Sport Power-Katamaran gelte weithin als das weltweit führende Serienboot mit Foils.
Foils (Unterwasser-Tragflügel) sind kein neues Konzept im Bootsbau. Sie werden aktuell jedoch häufig im Rennsport eingesetzt und heben das Boot vollständig aus dem Wasser, was viel Erfahrung und technischen Aufwand erfordert. Die Doppelrumpfkonstruktion von Power-Katamaranen ermöglicht es, dass sich das Boot durch ein zwischen den Sponsons gespanntes Foil bereits bei Reisegeschwindigkeit aus dem Wasser hebt, ohne dass dafür aufwendige, zusätzliche Steuerungen nötig sind.
«Wenn Sie ein Einrumpfboot besitzen und Ihre Reichweite erhöhen möchten, ist die übliche Lösung, die Motorleistung zu steigern», sagt Raas. «Leider erhöht dies die Treibstoff- und Wartungskosten. Tragflügel sind deutlich effektiver – die verbesserte Treibstoffeffizienz ermöglicht es Ihnen, weiter und schneller zu fahren, ohne die Motorleistung zu erhöhen.» Foils seien daher eine «viel nachhaltigere Methode zur Steigerung von Reichweite und Effizienz».
Raas erklärt, die Entscheidung, die Tragflügel bei den Coupes serienmässig einzuführen, zeuge von grossem Vertrauen, das auf jahrelanger Forschung, Investitionen und unzähligen Tests beruhe. «Die Entwicklung von Tragflügeln ist knifflig und selbst das Material spielt eine Rolle», sagt Raas und verweist in diesem Zusammenhang auf die überlegenen Eigenschaften von Kohlefaser.
«Die Effizienz der Tragflügel hängt natürlich auch stark von der Motorisierung ab», sagt Bjarne Holst Pahus, der uns bei unserem Test der neuen Coupés vor Frejus begleitet. Das Besondere sei aber, dass zwei Aussenbordmotoren pro Coupe-Modell absolut die gleiche Geschwindigkeit wie drei oder vier Aussenbordmotoren auf vergleichbaren Booten bringen würden.
Davon überzeugen wir uns zuerst an Bord des neuen 42 Coupé-Motorkatamarans selbst: Unser mit 2 x Volvo Penta D6-Inboardern mit jeweils 400 PS motorisiertes Testboot (Aufpreis gegenüber der Aussenborder-Version mit 2 x Mercury Verado V10 mit jeweils 400 PS: rund 100 000 Euro) vereint den Nervenkitzel eines Sportboots mit dem Komfort einer Yacht.
Die 42 fährt sich überraschend agil, liegt direkt am Gas und beschleunigt beeindruckend und ohne Verzögerung. Im Standgas (3 kn, 600 U/min) beträgt der Verbrauch gesamt 3,7 l. Bei 1000 U/min fährt der sportliche Kat schon 5,9 kn, Verbrauch: 11,3 l. Wir erhöhen die Drehzahl erst auf 1500 U/min (8 kn, 28,6 l), dann schrittweise auf 2000 U/min (10,6 kn, 73 l Verbrauch). Bei 2500 U/min dann die Überraschung: Der Speed steigt sprunghaft auf 20 kn an – der Verbrauch erhöht sich jedoch nur marginal um 11 auf 84 l.
«Bei 13 bis 15 kn Geschwindigkeit heben die Foils das Boot aus dem Wasser», erklärt Bjarne Hols Pahus. In der Folge würde sich die Geschwindigkeit sofort spürbar erhöhen, da der Wasserwiderstand sinke – das Boot verwandle sich schlagartig von einem Verdränger in einen Gleiter, so der CEO des Scandinavian Catamaran-Centers im dänischen Roedovre, der aktuell die Kats von Aquila im DACH-Raum vertreibt. Verbrauch und Drehzahl würden dabei im Verhältnis nur gering ansteigen.
Wir erhöhen die Drehzahl weiter auf 3000 U/min – und cruisen mit 31 kn Reisegeschwindigkeit völlig entspannt über das nur leicht wellige Wasser; der Verbrauch liegt nun bei lediglich 106 l. Selbst in engen Kurven und beim Durchschneiden von grösseren Heckwellen anderer Boote fährt die 42 stets ruhig und sicher. Man mag es fast nicht für möglich halten, dass dies bei dieser hohen Geschwindigkeit möglich ist. Schluss ist erst bei 40 kn, hier riegeln die Maschinen bei 3500 U/min automatisch ab; der Verbrauch bei High Speed beträgt 167 l.
Keine Frage: Diese Testfahrt macht Spass und kommt uns viel zu kurz vor. Auch an Bord bleiben keine Wünsche offen: Die 42 besitzt eine grosszügige Breite mit viel Platz. Das gilt für die Aussenbereiche an Heck und Bug mit grosszügigen Sitz- und Liegeflächen, einer Badeplattform (mit grosser, ausziehbarer Badeleiter) genauso wie für das Deck, bei dem das Layout intuitiv vom Salon zum Cockpit fliesst. Auch unter Deck punktet das Boot – mit zwei identischen Kabinen an Backbord und Steuerbord – jeweils mit eigenem Bad und separater Dusche.
Auch der 46 Coupé-Motorkatamaran, den wir unmittelbar danach fahren, bietet beides: sportlichen Fahrspass und Yachtkomfort. Hier gibt es noch mehr Platz als auf der kleinen Schwester 42 – weitläufige Decks und modern-gemütlich eingerichtete Innenräume schaffen auch hier viel Raum an Bord. Grosse, querliegende Owner- und kleinere, längs ausgerichtete Gästekabinen, jeweils mit eigenem Bad und Dusche, machen Wochenend-Ausflüge zu unvergesslichen Kurzurlauben. Gesellige Bereiche wie das nach oben wegklappbare Cockpit-Barfenster und die geschützte Buglounge werten das Boot zusätzlich auf.
Auch die gut eineinhalb Meter längere 46 Coupé ist mit leistungsstarken Aussenbordmotoren (Verado V12 mit 2 x 600 PS) oder – ohne Aufpreis – mit einem effizienten Innenbord-Antrieb (Testboot: Volvo Penta D6 mit 2 x 480 PS) erhältlich, ausgestattet ist die 46 wie die 42 auch mit doppelt gestuften Rümpfen und dem innovativen Carbonfaser-Aquila-Hydro-Glide-Tragflügelsystem. Das garantiert auch bei der 46 Coupé stets eine ruhige Fahrt mit einer ausgezeichneten Effizienz.
Während die 42 unter Aquilianern gern als der «Porsche» bezeichnet wird, heisst die 46 «der «Bentley» – nicht ohne Grund: An Bord ist alles etwas grösser, es gibt mehr Platz und die Werft hat versucht, das Boot insgesamt wertiger, «exklusiver» zu gestalten, was durchaus gelungen ist. Beim Fahren merkt man dem Boot an, dass es rund 70 Prozent schwerer als die 42 ist (42: 8500 kg / 46: 14 500 kg Leergewicht) – das grosse Coupé beschleunigt nicht ganz so sportlich wie das kleinere, das Boot wirkt insgesamt etwas behäbiger, was dem Fahrspass jedoch keinen Abbruch tut, schliesslich sind die Endgeschwindigkeiten beider Boote mit ca. 40 kn gleich.
Wegen des höheren Gewichts können die Foils das Boot auch erst etwas später «aus dem Wasser heben»: Fährt das Boot bei 2500 U/min noch 14 kn schnell (Verbrauch: 112 l), erhöht sich der Speed bei einer Drehzahl von 3000 U/min sprunghaft auf 23 kn; der Verbrauch beträgt zunächst 124 l, pegelt sich dann bei konstanter Geschwindigkeit jedoch bei 116 l ein. Schluss ist bei unserer Testfahrt erst bei 40,5 kn (3700 U/min, Verbrauch 173 l).
Aufbauend auf dem Erfolg des erst kürzlich vorgestellten 50 Yacht Power Katamarans vereint die neue Coupé-Serie von Aquila den Fahrspass eines offenen Sportboots mit dem Kabinenkomfort einer Yacht und bietet ein in dieser Grössenklasse seltenes Raumangebot.
Besonders gut gefallen hat uns auf der 42 die gegenüber dem Steuerstand an Backbord eingebaute gemütliche Liege – direkt neben dem Skipper (nur getrennt durch den mittigen Niedergang) und mit einem herrlichen Blick voraus.
Die eleganten und sportlichen Katamarane, die mit Innen- und Aussenbordmotor sowie dem serienmässigen Aquila Hydro Glide Foil System erhältlich sind, eignen sich perfekt für einen Daytrip mit Freunden oder einen Wochenend-Ausflug mit der Familie. Auch auf längeren Törns dürften jedoch beide Boote viel Spass machen.
Beide neuen Coupés – wie auch die Marke Aquila generell – haben aktuell das Zeug, die Kat-Szene nachhaltig aufzumischen. Und es bleibt spannend: Für 2026 sind neue Modelle geplant, darunter ein neuer Segel-Kat sowie motorgetriebene Doppelrümpfer mit einem noch effizienteren, umweltschonenderen Hybrid-Antrieb.
Spezifikationen
LüA (Innen-/Aussenborder):
Breite:
Höhe ü. WL (Hardtop):
Tiefgang min./max.:
Trockengewicht:
Kraftstoff:
CE-Zertifizierung:
Kabinen/WC/Duschen:
Preis netto:
42 Coupé
13,06/12,88 m
4,85m
3,13 m
0,88/0,98 m
8500 kg
1552 l
B:12, C:20, D:29
2/2/2
ab USD 895 000 inkl. Fracht
46 Coupé
14,44 m
3,36 m
3,36 m
1,08/1,23 m
14500 kg
2334 l
B:14, C:22, D:32
2 (Master/Gast)/2/2
ab USD 1 399 900 inkl. Fracht
Bjarne Holst Pahus, Scandinavian Catamaran Center, E-Mail: bjarne@katamaraner.de, Tel. +45 40403361, oder Ribcenter GmbH / Aquila Deutschland, Regattastrasse 1-5, Mannheim, 68159 Deutschland, Tel. +49 1736848812.
Neben der Premiere der Aquila 42 Coupé und 46 Coupé sind aktuell auch die Modelle 54 Yacht, 50 Yacht, 44 Yacht, 42 Yacht, 47 Molokai, 36 Sport und 32 Sport erhältlich.
Der Abdruck dieses Beitrags erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Mari Team-Verlags, der Erstabdruck erfolgte in MEER & YACHTEN 1-26, Heft bestellen / abonnieren: meerundyachten.de/shop