Florian Fox

«Ich darf nicht Musik machen – ich muss.»

Tagsüber ist er Anwalt im Büro oder Gerichtssaal, abends steht er als Country-Sänger mit seiner Band auf der Bühne: Florian Fox sieht in seinenzwei Berufen als Rechtsvertreter und Künstler Parallelen und möchte auf keinen davon verzichten.

Text: Ursula Burgherr   |   Fotos: zvg

Die Teppichböden in der Zürcher Anwaltskanzlei sind in dezentem Dunkelgrau gehalten und verschlucken jeden Schritt. Florian Roth passt mit seinem klassischen, dunkelblauen Anzug perfekt ins diskret-elegante Ambiente. In seinem Beruf als Anwalt hat er sich auf Staats- und Verwaltungsrecht spezialisiert. Er unterstützt Unternehmen im regulierten Markt, wenn sie eine Bewilligung brauchen oder von einem Gesetz konfrontiert werden, mit dem sie nicht einverstanden sind. Oder den Staat, wenn er ein solches durchsetzen muss. Wenn der Rechtsexperte seine Arbeit beschreibt, klingt das ziemlich trocken und nach viel Paragraphenreiterei. Doch er widerspricht: «Zu mir kommen Menschen, die mit einem Problem nicht weiterwissen. Meine Aufgabe ist, eine Lösung zu finden, die für alle Parteien funktioniert. Da braucht es immer wieder kreative Ideen.» Auf eine ganz andere Art kreativ ist er, wenn er als Sänger mit seiner Band auftritt. Dann trägt er lässigen Country-Schick und wird zu Florian Fox, dem preisgekrönten Musiker, der sowohl in der Schweiz als auch in Amerika eine stetig grösser werdende Fangemeinde hat. Und trotz des zunehmenden Erfolgs nicht daran denkt, die Juristerei an den Nagel zu hängen. Er sieht sogar Gemeinsamkeiten in seinen beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Tätigkeiten: «Ob ich im Gerichtssaal bin oder ein Konzert spiele: Es gilt bei beiden Jobs, die Leute im Raum zu überzeugen – ich stehe in beiden Berufen auf einer Bühne», meint er und fügt hinzu: «Wichtig ist, alles mit einer Prise Humor anzugehen, dann springt der Funke schnell über.»

Sein grösster Auftritt

Am 28. März 2026 schlägt die grosse Stunde von Florian Fox. Dann tritt er vor rund 10 000 Zuschauern an Albi’s Countryfestival im ­Zürcher Hallenstadion neben internationalen Musikstars auf. Veranstalter Albi Matter ist der Grandseigneur der Schweizer Countryszene, Gründer des legendären Albisgüetli Country Music Festivals und seit mehreren Jahren sein Manager. «Ohne ihn würde ich nicht da stehen, wo ich heute bin», meint der Künstler dankbar und bezeichnet seinen Förderer als «Mann mit einem riesengrossen Herzen». An die erste persönliche Begegnung mit Matter vor rund 15 Jahren erinnert Fox sich noch, als ob es gestern gewesen wäre. «Nach meinem Auftritt an einer ­Autoausstellung in Zürich fragte er mich, wie viele Auftritte ich pro Jahr in etwa hätte. Ich kam damals auf rund 25. Er nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre, überlegte kurz und meinte dann trocken: ‹Das müssen mehr werden›.» Auf einer von Matters Country-­Kreuzfahrten lernte er 2018 den amerikanischen ­Singer/Songwriter Chuck Mead kennen, der später sein Produzent wurde. Dieser ist Mitglied der weltbekannten Honky Tonk-Band BR5-49 und gilt als einer der Mitbegründer des Neo-­Traditional Country-Stils, der auch die ­Musik von Florian Fox prägt. Die Gegenbewegung zum poppig kommerziellen Urban-Cowboy-Trend setzt auf ursprünglichen, erdigen Country-Sound mit traditionellen Instrumenten, die mit modernen, zeitgemässen Einflüssen kombiniert werden. Ein Stil, für den die Schweiz bisher nicht gerade als grösster Nährboden galt. «Meine Musik zeigt, dass ich eine alte Seele bin», sagt der 33-jährige Florian Fox und lacht. Denn die Liebe zum Genre hatte er schon als Teenager entdeckt, auf einem Raodtrip, der sein Leben für immer verändern sollte.

«Immer das Beste geben,
respektvoll sein und
bescheiden bleiben.»

Schicksalhafte Begegnung

Mit 15 Jahren unternahm Florian Fox mit ­seinen Eltern eine Reise durch die USA und ­verbrachte einen Tag ganz alleine in der kargen Wüstenlandschaft von New Mexico. Die einzige Videokassette, die es im dortigen Bed & Breakfast anzuschauen gab, war das Biopic «Walk the Line» über das Leben von Johnny Cash. «Als ich seine Songs hörte, war es für mich wie eine Offenbarung. Ich wusste, dass ich fortan genau diese Musik machen wollte», erinnert er sich. Sein Musiklehrer, bei dem er seit seiner Primarschulzeit klassischen Gitarren-Unterricht nahm, brachte ihm die ersten Country-Licks bei und bald gründete er mit ein paar Gleichgesinnten seine erste Formation «The Black Barrons». Den Traum, einmal ­be­rühmt zu werden, hegte Fox jedoch nie. «Ich wollte einfach die Musik machen, die mir gefiel. Mein höchstes Ziel war allenfalls, ein ­Album aufzunehmen.» Dank der Kontakte seines damaligen Drummers kam es zu ersten Auftritten, die so erfolgreich waren, dass die Band bald auf erste Tourneen ging. Die Musik und sein Jurastudium füllten ihn voll aus. Monatelanges Lernen für die anspruchsvolle Anwaltsprüfung in absoluter Einsiedelei kontrastierte mit seinen extravertierten Shows auf der Bühne. «Ich bin dankbar, dass ich zwei Standbeine habe. Durch meinen Anwaltsberuf verstehe ich die Systeme und Hintergründe im Musikbusiness besser und habe bei Vertragsabschlüssen einen guten Durchblick. Und meine Musik er­laubt es mir, über den Tellerrand und die Schweizer Gesetzbücher hinauszublicken.» Um alles unter einen Hut zu bringen, führt er ein strukturiertes Leben mit einem straffen Zeitplan. Ausschweifungen jeglicher Art sind nicht sein Ding. Der Drang, als Künstler etwas zum Ausdruck zu bringen, ist hingegen gross. «Ich darf nicht Musik machen – ich muss», betont er.

Sein Vater gestaltete Nashville

Während der Coronazeit wanderte Florian Fox für ein Nachdiplomstudium nach Amerika aus. Die Zusage hatte er ausgerechnet von der ­Vanderbilt University in Nashville, dem Zentrum für Country-Musik, bekommen. Ein Wink des Schicksals? Weil auch dort wegen der ­Pandemie alles zum Stillstand gekommen war, standen ihm die besten Country-Musiker zur Verfügung und er nahm neben seinen Studien sein erstes Solo-Album «Made in USA» auf. Damit legte er einen regelrechten Senkrechtstart hin und konnte kurz darauf mit den ­Originalmusikern von Johnny Cash die EP «Made in Nashville» einspielen. Zur ­Musik­- ­metropole hatte übrigens schon sein Vater Ueli Roth eine ganz besondere Beziehung. Er war Städteplaner bei den renommierten Landschaftsarchitekten Clarke & Rapuano und half mit, die Innenstadt von Nashville in ihrer ­heutigen Form zu gestalten. So schliesst sich der Kreis.

Sich selbst treu bleiben

In seinem Lied «Only Son» von seinem Album «Made in USA» singt Florian Fox über seine Jugend als Einzelkind. Von einer liebevollen und behütenden Mutter ist die Rede. Aber auch von seiner durch die grosse Förderung erlangte Selbstständigkeit. «You taught me everything I know. Now it’s time to let me go», lautet eine Songzeile. Ansonsten hält er sich bezüglich seines Privatlebens bedeckt. Dass er mit seiner Partnerin in Dübendorf wohnt, gibt er noch preis – der gebürtige Meilemer nennt seine Wahlheimat «Dü-bai» und bezeichnet sie als «kreatives Labor für die Urbanisierung der Schweiz». Dort wurde er Anfang Januar 2026 mit dem Stadtpreis «Dübi Award» geehrt. «Wenn ich abends aus meiner Wohnung auf das Lichtermeer schaue, erinnert mich die Skyline etwas an Nashville by night», sinniert er und schmunzelt. Seinem Lebensmotto – da ist er sich sicher – wird er auch weiterhin treu bleiben: «Immer das Beste geben, respektvoll sein und bescheiden bleiben». 

Albi’s Country Festival

Am 28. und 29. März 2026 krönt der Schweizer «Countrypapst» Albi Matter das 40-jährige Bestehen seiner Festivaltätigkeit mit einer Jubiläumsausgabe im Zürcher Hallenstadion. Für dieses Happening bringt er die Crème de la Crème der nationalen und internationalen Countryszene auf die Bühne.

Das Programm

Am 28.3. spielen ab 14.30 bis ca. 0.30 Uhr auf: 

Nashville Rebels (CH), Ray Fein & Nico Brina & guests (CH), Florian Fox & Fox Band mit Special Guest Florian Ast (CH), the BoykinZ (USA), John Foster & Band (USA), Runaway June (USA), Johnny Reid & Band (CAN). 

Im Foyer des Hallenstadions sind ab 13 bis 16 Uhr das Amber Rae Trio (CH), Bluegrass Beans (CH) und TexMex Rebels (CH) zu Gast.

Am 29.3. treten ab 12 bis ca. 18.30 Uhr: 

Tuff Enuff (CH), Tobey Lucas & Band (CH), Buddy Dee & The Ghostriders (CH), Philipp Fankhauser’s Nashville Roots (CH), The Bellamy Brothers (USA). Moderation: Martin Diener und Benny Wobmann. 

Im Foyer konzertieren von 9 bis ca. 12.30 Uhr: Heinz Flückiger & Cool Bunch (CH), ClinTonics (CH), Alex Klein und Band (CH). 

www.albiscountryfestival.ch