Aussergewöhnliche Architektur

Hoch über dem See

Hoch über dem Zürichsee thront die «Villa Opera». Sie gleicht einer sorgfältig komponierten Symphonie – kraftvoll im ­Auftakt, vielschichtig in ihrer räumlichen Entfaltung und fein nuanciert im Detail. Lage, Raum und Licht vereinen sich zu einem harmonischen Ganzen.

Text: Gerald Brandstätter   |   Fotos: Karin Weisz

Der Ausblick ist überwältigend. Von allen Ebenen schweift der Blick über die Dächer der Nachbarschaft, gleitet über das glitzernde Wasser des ­Zürichsees und reicht bis zu den fernen Ufern von Unter- und Obersee. Hier oben wirkt die Welt ­weiter, heller und verheissungsvoll offen.
An sanfter Hanglage entfaltet die Villa auf über 500 Quadratmetern ihre imposante Geste. Gross­zügigkeit, Licht und souveräne Eleganz durch­ziehen die Räume und verleihen ihnen eine beinahe schwebende Leichtigkeit. Der Name «Opera» ist Programm. Wie in einem grossen Bühnenwerk entfaltet sich die volle Magie erst im Zusammenspiel: Architektur, Möblierung, Licht und Landschaft verschmelzen zu einer sinnlichen Einheit. Raum und Aussicht werden Teil einer stillen, erhabenen Inszenierung. Architekt Kerry de Zilva von MartyDesignHaus beschreibt es so: «Ziel war es, eine Bühne zu schaffen. Die Villa Opera wurde als Zuschauerbühne konzipiert, von der aus sich das Schauspiel des Sees und die Dynamik des Wetters in gediegener Atmosphäre geniessen lassen.»

Ankommen und Aufatmen

Zur Strasse hin zeigt sich die Villa bewusst zurückhaltend. Die Betonung der Horizontalen und eine ruhig proportionierte Fassade verleihen ihr zeitlose Präsenz. Die architektonische Klarheit wirkt nicht kühl, sondern gefestigt – ein Baukörper, der wie selbstverständlich in die Hanglage eingebettet wurde.
Mit dem Eintreten verändert sich die Atmosphäre. Das Entrée erschliesst Einstellhalle, Garderobe und Gäste-WC diskret, bevor sich – wenige ­Stufen ­tiefer – die Grosszügigkeit des Wohnraums entfaltet. Die Hauptebene öffnet sich über zwei Geschosse und erstreckt sich über die gesamte Gebäudebreite. Tageslicht durchflutet das Innere, harmonische Formen und dezente Farben schmeicheln dem Auge, gekonnt gesetzte Blickachsen lenken den Blick immer wieder in die Weite der Landschaft.
Wohnen, Essen und Kochen gehen in einer fliessenden Choreografie ineinander über. Der sich über 50 Quadratmeter ausbreitende Wohnbereich wird von zwei grossformatigen Sofas und eleganten Polstersesseln von Minotti definiert, die um Beistelltische von Poliform gruppiert sind. Seitlich etwas zurückversetzt liegt der TV-Bereich – ein behaglicher Rückzugsort innerhalb der Weitläufigkeit. Ein einladendes Sofa und Sessel formen hier eine intimere Zone, ohne sich vom architektonischen Gesamtgefüge zu lösen.

Transparenz und Offenheit

Die Küche fügt sich wie selbstverständlich an den offenen Wohnbereich an. Die Kochinsel dient zugleich als Theke oder Stehtisch; ihre weiss marmorierte Oberfläche verleiht ihr eine mondäne Ausstrahlung. Ein diskret angrenzendes Reduit schafft zusätzlichen Stauraum und bewahrt die formale Klarheit. 
Der Esstisch mit acht einladenden Polstersesseln (beides von Poliform) wird zum Ort ausgedehnter Abende – inszeniert unter einem modernen Kronleuchter von Giopato & Coombes, dessen Licht wie ein leiser Akzent im Raum schwebt. 
Grossformatige Verglasungen lenken von der gesamten Wohnebene aus den Blick ins Freie und führen das Tageslicht tief ins Haus. Die raumhohen Schiebefronten von swissFineLine lassen die Fassade beinahe immateriell erscheinen: Filigrane Profile, im Boden versenkte Führungsschienen und lautlos gleitende Elemente öffnen ein Panorama, in dem Innen- und Aussenraum fliessend ineinander übergehen. Die Terrasse mit Pool sowie das offen gestaltete Poolhaus mit integrierter Küche erweitern den Grundriss ins Freie und verstehen sich als natürliche Fortsetzung des Wohn- und Lebensraums. Innenarchitektin Antonella Roth von MartyDesignHaus beschreibt den Ansatz treffend: «Diese Villa versteht Innenarchitektur als Inszenierung des Übergangs – als einen Raum, in dem Licht, Material und Blickbeziehungen das Aussen wie eine leise Partitur ins Innere übersetzen.»
Eine in sich ruhende Farbpalette aus hellen Beigetönen bei den Bezügen der Polstermöbel, beim hellen Parkett und den Teppichen bildet die Basis des harmonischen Ambientes. Akzentuierend treten dunkle Fronten bei Einbaumöbeln sowie das dunkle Holz des Esstisches, der Stühle sowie der Beistell- und Couchtische hinzu. Metalloberflächen – etwa die Rahmen der Schiebefronten, die dekorativen Tischleuchten im Wohnbereich oder die Armaturen in Küche und Bad – sind dunkel und matt gehalten; um edel und repräsentativ zu wirken, bedarf es keiner hochglanzpolierten Oberflächen. Mit Bedacht ausgewählte, grossformatige Bilder ergänzen das kohärente Intérieur.

Licht, Blick und Bewegung

Das räumliche Rückgrat der Villa bildet der ­zentrale Luftraum mit dem über zwei Geschosse reichenden, skulpturalen Cheminée-Körper. ­Galerie, Treppe und präzise gesetzte Blickachsen sind aufeinander abgestimmt und verweben die drei Etagen zu einem zusammenhängenden ­Ganzen. Im Tagesverlauf modelliert das wechselnde Licht Oberflächen und Stimmungen; es schafft Tiefe, verbindet Räume und verleiht der Architektur lebendige Dynamik.
Im Obergeschoss liegen die privaten Bereiche: Schlafzimmer, Bäder, Ankleide und ein Büro. 
Der Elternbereich bildet eine grosszügige Einheit aus Ankleide, weitläufigem Bad und einem Schlafzimmer, das konsequent zur Seeseite orientiert ist. Über die Galerie bleibt die Verbindung zur Wohnebene spürbar – ein leiser Dialog zwischen Offenheit und Rückzug. Lift und zahlreiche ­Einbauschränke sind kaum wahrnehmbar in die Rückwand der Galerie integriert. Das Büro erhält zusätzliches Tageslicht über ein Fenster zum ­Luftraum und bleibt so Teil des räumlichen ­Kontinuums.
Auch im Untergeschoss wird die Hanglage gezielt genutzt. Technik- und Nebenräume sind hang­seitig organisiert, während sich zwei Gästezimmer und der Fitnessbereich zum Garten hin öffnen und von natürlichem Licht profitieren. 
So entsteht auch hier eine helle, selbstverständliche Wohnqualität.
Die Villa «Opera» balanciert Offenheit und Geborgenheit, Weite und Intimität. Das Einfamilienhaus steht exemplarisch für die moderne, hochwertige Wohnarchitektur von MartyDesignHaus, die Funktionalität und ästhetischen Anspruch vereint. Licht, Transparenz und Ausblick prägen das tägliche Leben und Wohnen – getragen von gestalterischer Kontinuität und zeitloser Eleganz.