Hochwertige und exklusive Stoffe aus europäischen Manufakturen, präzise Schnitte und eine konsequente Produktion in der Schweiz: Antoni Grzelak steht für eine neue Generation von Designern, die Luxus nicht laut inszenieren, sondern über Qualität definieren. Seine Mode ist reduziert, klar und von einer Haltung getragen, die Beständigkeit höher bewertet als den schnellen Effekt. Genau deshalb wird er auch in ersten Kreisen der Modebranche als aufkommender Designer wahrgenommen.
Text: Beat Frei | Fotos: zvg
Der Stoff fällt schwer über den Arbeitstisch. Ein du nkler Wollstoff, dicht gewebt, mit einem matten Schimmer, der erst im Licht seine Tiefe zeigt. Antoni Grzelak richtet den Blick auf die entstehende Silhouette, prüft die Schulterlinie und verfeinert die Proportionen, indem er einzelne Linien um wenige Millimeter neu definiert. Dann tritt er einen Schritt zurück, lässt den Blick über die Form gleiten und nickt fast unmerklich.
«Es sind oft diese kleinen Entscheidungen», sagt er ruhig. «Sie verändern am Ende alles.»
Wer ihn bei der Arbeit beobachtet, merkt schnell: Hier geht es nicht um schnelle Effekte, nicht um Show, nicht um die Logik sozialer Medien. Grzelak arbeitet konzentriert, präzise, beinahe analytisch. Für ihn beginnt Mode nicht mit Aufmerksamkeit, sondern mit Konstruktion. Ein Kleidungsstück muss stehen, fallen, sich bewegen, atmen. Es muss eine Form finden, die selbstverständlich wirkt und doch nie banal ist.
Antoni Grzelak
Seine Entwürfe folgen einer klaren Idee: Eleganz entsteht durch Balance. Schnitte, Stoffe und Silhouetten müssen miteinander harmonieren. Grzelak spricht deshalb gern davon, dass Mode etwas Architektonisches habe – eine Konstruktion aus Linien, Struktur und Bewegung. Tatsächlich liegt in seinen Arbeiten etwas gebaut Wirkendes. Nicht schwer oder streng, sondern präzise. Eine Jacke überzeugt durch eine klar geführte Schulter, ein Kleid durch eine ruhige Silhouette, die sich erst beim Tragen ganz entfaltet. Seine Mode sucht nicht den lauten Auftritt. Sie entwickelt ihre Wirkung mit der Zeit, fast wie ein gutes Gespräch, das erst nach einigen Minuten zeigt, wie interessant es wirklich ist.
Aufgewachsen ist der Designer in Basel, einer Stadt, die seit jeher von Kunst, Design und kulturellem Austausch geprägt ist. Museen, Architektur und eine lebendige Kulturszene gehören dort zum Alltag. Dieses Umfeld hat seinen Blick für Gestaltung früh beeinflusst. Wer in Basel gross wird, lernt schnell, dass Ästhetik nicht bloss Oberfläche ist, sondern auch Haltung, Kontext und Präzision. Vielleicht erklärt sich daraus ein Teil jener Ruhe, die seine Mode heute ausstrahlt.
Der Weg zur Mode war dennoch kein direkter. Als Jugendlicher beschäftigte sich Grzelak intensiv mit Musik. Er spielte Klavier und nahm erfolgreich an Wettbewerben teil. Beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb wurde er 2013 mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Werke von Bach, Chopin oder Grieg gehörten zu seinem Repertoire. Parallel dazu entwickelte sich eine zweite Leidenschaft: Fechten. Für den Basler Verein «Riehen Scorpions» trat er in der Disziplin Degen an und erreichte bereits im Nachwuchsbereich Podestplätze bei regionalen Turnieren der Swiss Fencing Tour. Musik und Sport mögen auf den ersten Blick wenig mit Mode zu tun haben, doch beide verlangen Konzentration, Disziplin und ein feines Gespür für Timing. Eigenschaften, die auch im Atelier entscheidend sind. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Grzelak seine Arbeit häufig mit Begriffen beschreibt, die ebenso aus einer Partitur stammen könnten wie aus der Schneiderei. Linien müssen harmonieren, Proportionen eine Balance finden, Materialien einen Rhythmus entwickeln. Wie beim Fechten entscheidet manchmal ein Moment, eine kleine Verschiebung, eine fast unsichtbare Korrektur über die Wirkung des Ganzen.
Heute steht im Zentrum seiner Entwürfe die Silhouette. Grzelak orientiert sich an der Tradition klassischer Schneiderei, interpretiert sie jedoch modern und reduziert. Seine Mode verbindet traditionelle Eleganz mit zeitgenössischer Klarheit. Eine Jacke kann strukturiert und zugleich leicht wirken, ein Kleid schlicht erscheinen und dennoch überraschende Raffinesse besitzen. Oft sind es minimale Verschiebungen – eine leicht versetzte Naht, eine neue Proportion, ein anders gesetzter Kragen, eine ungewohnte Stoffkombination –, die einem Kleidungsstück seine eigene Handschrift verleihen.
Gerade diese Handschrift ist in einer Branche, die gerne mit Übertreibung arbeitet, bemerkenswert. Grzelak setzt nicht auf Überinszenierung. Seine Mode muss nicht schreien, um wahrgenommen zu werden. Sie vertraut auf Substanz. Man könnte sagen: Seine Entwürfe sind nicht darauf angelegt, einen Raum zu dominieren, sondern ihn zu verändern. Sie geben ihrer Trägerin, ihrem Träger eine Kontur, ohne die Person zu überlagern. Das ist vielleicht die anspruchsvollste Form von Design: Kleidung zu entwerfen, die Präsenz schafft, ohne zur Verkleidung zu werden.
Besonders wichtig sind Grzelak die Materialien. Ein wesentlicher Teil der Stoffe und Komponenten kommt aus der Schweiz selbst: von Alumo aus Appenzell, einem traditionsreichen Hersteller, der weltweit für seine feinen Baumwoll- und Cashmere-Qualitäten bekannt ist, und von RiRi Mayer aus St. Gallen, einem der führenden Reissverschluss-Hersteller, der auch für die Luxus-Lederwaren der grossen Häuser produziert. Ergänzt werden diese durch Stoffe aus Italien und Grossbritannien, wo eine lange Tradition der Stoffherstellung gepflegt wird. Hochwertige Wollstoffe, feine Baumwollen, strukturierte Oberflächen oder elegante Mischgewebe bilden die Grundlage seiner Entwürfe. Dabei geht es ihm nicht nur um Luxus im klassischen Sinn, sondern um Charakter. Ein Stoff muss eine Haltung mitbringen, einen Fall, eine Spannung, eine Textur, die das Kleidungsstück mitträgt. Guter Stoff, das merkt man bei Grzelak sofort, ist nie bloss Material. Er ist Teil der Idee.
Ebenso konsequent ist seine Haltung bei der Produktion. Die Stücke werden vollständig in der Schweiz gefertigt. Grzelak setzt bewusst auf schweizerische Herstellung und handwerkliche Präzision. Die Nähe zu den Produzenten erlaubt es ihm, jeden Schritt des Entstehungsprozesses genau zu begleiten – vom ersten Schnitt bis zum fertigen Kleidungsstück. In einer Branche, die häufig von globaler Massenproduktion geprägt ist, wirkt dieser Ansatz fast trotzig. Für Grzelak ist er jedoch eine bewusste Entscheidung. Qualität, Langlebigkeit und Verantwortung stehen im Vordergrund. Kleidung soll nicht nur eine Saison überdauern, sondern über Jahre hinweg getragen werden können.
Auch deshalb denkt er seine Kollektionen nicht als kurzfristige Modeerscheinung, sondern als langfristige Garderobe. Seine Stücke sollen sich kombinieren, ergänzen und weiterentwickeln lassen. Ein Kleidungsstück aus einer Kollektion darf auch Jahre später noch selbstverständlich wirken. Diese Haltung ist in einer Zeit, in der ständig vom Neuen die Rede ist, fast radikal. Grzelak entwirft nicht für den Moment der maximalen Aufmerksamkeit, sondern für eine längere Beziehung zwischen Mensch und Kleidungsstück.
Seine Perspektive ist dennoch international. Ein wichtiger Schritt in seiner noch jungen Karriere war die Präsentation seiner Kollektion bei MODE Shanghai während der Shanghai Fashion Week. Die Veranstaltung gehört zu den dynamischsten Plattformen der Branche und bringt Designer, Einkäufer und Medien aus der ganzen Welt zusammen. Für Grzelak war diese Präsentation weit mehr als ein symbolischer Auftritt. Sie war ein Test dafür, ob seine Form von Eleganz auch ausserhalb des vertrauten europäischen Kontexts funktioniert.
Die Resonanz war substanziell: Neben Interesse internationaler Kunden und Boutiquen führte CGTN, das chinesische Staatsfernsehen, ein Interview mit Grzelak; die Marke wurde anschliessend auf der CGTN-Website und in der Bastille Post erwähnt. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen nach Qualität, Glaubwürdigkeit und handwerklicher Tiefe sehnen, gewinnt ein solcher Ansatz an Kraft.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke seiner Arbeit. In einer Branche, die häufig auf Beschleunigung setzt, wirkt Antoni Grzelaks Ansatz bewusst ruhig. Seine Entwürfe konzentrieren sich auf das Wesentliche: Schnitt, Material, Verarbeitung und Haltung. Sie erzählen nicht von kurzfristigen Trends, sondern von Beständigkeit. Nicht von modischer Unruhe, sondern von einer Form der Eleganz, die bleibt.
Oder, wie er es selbst formuliert: Gute Mode beginnt nicht beim Trend, sondern bei der Haltung. Genau darin liegt die eigentliche Signatur von Antoni Grzelak.
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