(c) Charlotte March, «Mode Courréges», 1963.

Die Ausstellung mit rund 140 Arbeiten von Meistern des letzten Jahrunderts, ist ein eigentlicher Streifzug entlang der Zeitachse durch die Fotografie des 20. Jahrhunderts. Die ältesten Aufnahmen in dieser Ausstellung stammen von dem Pariser Fotografen Eugène Atget, der mit seiner damals sehr gewichtigen Ausrüstung durch die Vorstädte flanierte und an scheinbar unscheinbaren Orten innehielt, die er in faszinierende Schauplätze verwandelte. So auch die Kulisse eines schlichten Torbogens mit dem benachbarten vergitterten Fenster, die zugleich alltäglich und besonders wirkt.
Gerade die frühen Aufnahmen bis in die 1920er und 30er Jahre korrespondieren immer wieder mit der Malerei und erinnern dann an Tuschezeichnungen und Skizzen, wie etwa Bill Brandts Komposition «Early Morning on the River» oder auch André Kertész Aufnahme «Chez Mondrian», wo die Stilelemente des Malers Piet Mondrian mit den Licht- und Schatteneffekten seines Interieurs verwebt werden. Da fasziniert das malerische Element, mit der Edward Westons Frauenakt «Charis, Santa Monica» seine ganz eigene  Wirkung entfaltet oder die Porträts von August Sander in ihrer Realität.
Wichtige Zeitchronisten wie Andreas Feininger, Alfred Eisenstaedt, Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck und Sebastiao Salgado prägen diesen fotografischen Streifzug ebenfalls und das keineswegs nur als Bildreporter, die Ereignisse für die Nachrichtenwelt dokumentieren. In vielen Motiven erscheinen sie wie Alltagsflaneure, die im Alltäglichen den besonderen Moment entdecken. Das mögen die Paare im Park sein und wie sie einander so sehr herbei gesehnt haben oder auch die Familie in einem Beduinendorf bei Aleppo, das in seiner Zeitwelt geborgen scheint.

(c) August Sander, «The brick layer», 1928.