Uhrenmarke H. Moser & Cie.

H. Moser & Cie.

Ein moderner Klassiker mit dem Herzen eines Rebellen

Die unabhängige Schweizer Uhrenmanufaktur H. Moser & Cie. hat mit der Streamliner vor ­etwas mehr als sechs Jahren eine Uhr vorgestellt, die neue Massstäbe in einer der am ­härtesten umkämpften Kategorien setzen sollte: der sportlichen Luxusuhr mit integriertem Band. Und damit auch bewiesen, dass man selbst in der traditionellen Uhrenindustrie mit einer gehörigen Prise rebellischer Kreativität Sammler weltweit begeistern kann.

Text: Roger Rüegger/WatchAdvisor   |   Fotos: zvg

Aber zurück an den Anfang: Wirft man einen Blick auf die sogenannte «Holy Trinity of Watches», also Vacheron Constantin, Patek Philippe und Audemars Piguet, wird nicht nur klar, wie bedeutend deren Stahlsportmodelle Overseas, Nautilus und Royal Oak für Sammler sind, sondern auch, dass alle drei Uhren wesentliche Charakterzüge teilen: erstens, die Gleichstellung mit Uhren aus Edelmetall, wenn es um Werk, Preisgestaltung und Verarbeitung geht. Zweitens, das nahtlos ins Gehäuse integrierte Metallband, das den Look der Uhr ebenso massgeblich prägt wie deren Gehäuse und Zifferblatt. Und drittens, dass alle drei Uhren allesamt revolutionär bei ihrer Vorstellung in den 70er-Jahren waren (wobei im Falle von Vacheron Constantin natürlich erst die nicht minder kantige 222 die Bühne für die 1996 lancierte Overseas vorbereitet hatte). 

Das Feld solcher Uhren lässt sich fast beliebig erweitern: IWC feiert in diesem Jahr den 50. Geburtstag der Ingenieur SL mit zwei limitierten Modellen (deren Design von 1976 wie die Royal Oak und Nautilus von Gérald Genta stammte) oder die bereits ab CHF 365 erhältliche PRX von Tissot am anderen Ende der Preisskala, deren Relaunch im Jahr 2020 praktisch über Nacht in einem globalen Bestseller resultierte. Nicht anders sieht es bei Chopard mit der Alpine Eagle aus, die sich mit ihrer Vorstellung im Jahr 2019 quasi mit nur einem Flügelschlag zu einer der kommerziell wichtigsten Linien der Marke entwickelt hat. – An sich ja auch durchaus nachvollziehbar: Eine sportliche und damit robuste Uhr aus Edelstahl mit integriertem Metallband von einer etablierten Marke entspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern dürfte im Alltag dem Träger auch den höchsten Nutzwert bieten, sich also sowohl im Büro als auch am Strand und im Theater gleichermassen wohlfühlen.

Die an der Watches and Wonders 2026 ­vorgestellten Streamliner Pump Black und White (beide auf 250 Stück limitiert) verbinden ein neues Aufzugssystem mit einem Gehäuse aus Quarzfaser. CHF 31 360.

Vom Comeback zum Klassiker der Gegenwart

Wenig überraschend haben sich fast alle Uhrenmarken in den letzten Jahren daran gemacht, entweder ein solch gelagertes Modell aus dem Archiv neu zu beleben oder gleich von Grund auf neu zu entwerfen, was natürlich ungemein komplexer ist, da man zeitgleich gegen einige der bekanntesten Uhren antritt, nicht aber auf just jene jahrzehntelange Historie zurückgreifen kann, die sie schlussendlich zu «Ikonen» der Zeitmessung hat werden lassen. 

Im Falle der in Schaffhausen ansässigen H. Moser & Cie. wählte man bewusst den Weg des totalen Neuanfangs. Nicht nur, weil man zwischen 1828 und 2020 gar nie ein solches Modell aufgelegt hatte, sondern weil die Schweizer Uhrenmarke seit ihrer Übernahme durch die MELB Holding im Jahr 2012 sowieso gerne Regeln bricht: Dazu gehören die «Swiss Mad Watch», ein Einzelstück aus Schweizer Käse, der mit Verbundmaterial haltbar gemacht wurde, oder eine digitale Smartwatch für die Mechaniker des ­Alpine F1 Teams. – Solange es dem ­eigenen Grundsatz «very rare» entspricht, darf man bei Moser mit allem rechnen. 

Die Streamliner wurde offiziell im Januar 2020 vorgestellt. Und das vorerst als 42,3 mm grosser Chronograph mit einem der haptisch umwerfendsten integrierten Stahlbänder der Industrie, einem der schönsten Chronographen-Kaliber mit Flyback-Funktion und verstecktem Aufzug, verpackt in einem Gehäuse mit einem insgesamt eher ungewöhnlichen Design, «inspiriert von den markanten Formen der Automobile und Lokomotiven aus den 1920er-Jahren». Bis 120 Meter wasserdicht, «beeindruckt die Streamliner durch ihre Vielseitigkeit und Ergonomie genauso wie durch ihre Ästhetik». Nicht minder beeindruckend: Sie brachte das Unternehmen zuverlässig durch die folgenden Monate der Covid-Pandemie. Ein «Centre Second»-Pendant mit drei Zeigern folgte bereits im August desselben Jahres. Mittlerweile umfasst die ­Kollektion Komplikationen wie Tourbillon (skelettiert und mit geschlossenem Zifferblatt), Mondphase, Ewiger Kalender, Minutenrepetition und – wie eingangs erwähnt – sogar eine Smartwatch mit Display. 2026 wurden weitere Modelle mit 34 mm und 28 mm vorgestellt, damit stehen drei Gehäusegrössen mit Preisen ab CHF 21 900 zur Wahl, und nebst Edelstahl (auf Wunsch mit Steinbesatz) bietet Moser auch Gehäuse-Varianten aus Keramik, Rotgold und geschmiedeter Quarzfaser. Selbst eine dem Alpine-Team gewidmete Wanduhr steht zur Auswahl (CHF 2900), dann aber natürlich ohne Band. 

Die stromlinienförmige Uhr hat es geschafft, mit einer erstaunlich eigenständigen Formensprache ein ergonomisches Gehäuse- und Band-Design zu kombinieren und passt damit an praktisch jedes Handgelenk. Das Finish der Metall-Varianten kombiniert dabei polierte Flächen mit Strichschliffen, bei den Zifferblättern kommen von ­ultra-schwarzen Vantablack-Optionen, «Grand Feu»-Emaille oder Meteorit zum Einsatz und natürlich auch Umsetzungen mit skelettiertem Werk, bei denen das Zifferblatt gänzlich entfällt.

Eine aktuelle Variante des ersten Modells der Kollektion ist die 42,3 mm grosse Streamliner Flyback Chronograph mit einem «Matrix Green Fumé» Zifferblatt und Edelstahlgehäuse; mit Rotgold-Gehäuse und blauem Zifferblatt liegt der Preis bei CHF 62 000.

Pump-System

Die an der Watches and Wonders 2026 vorgestellte Stream­liner Pump Black und White (beide auf 250 Stück limitiert) beweist aber auch, dass man das Thema durchaus auch mit einem Augenzwinkern angehen kann: Ein Drücker aus eloxiertem Aluminium überträgt bei jeder Betätigung Energie direkt auf die Zugfeder, zieht dadurch das Werk auf und aktiviert gleichzeitig die Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt. Unter der Oberfläche sitzt ein traditionelles Manufakturkaliber mit bis zu 74 Stunden Gangreserve. Bereits ein Druck genügt, um eine Gangreserve von mehr als einer Stunde aufzubauen. 

Inspiriert wurde das Ganze natürlich von dem gleichnamigen System von Reebook: 1989 erstmals vorgestellt, definierte der Reebok Pump das Thema Sportschuh mit einer mutigen Idee neu: ein Schuh, der sich für die perfekte Passform aufpumpen lässt. Sofort erkennbar an seinem charakteristischen, orangefarbenen Pump-Button auf der Zunge wurde er zeitgleich zur kulturellen Ikone – getragen von Spitzensportlern und geprägt von der Street Culture. 

Dieselbe Idee wurde nun vom Fuss ans Handgelenk gebracht, in Form von zwei 40 mm grossen Modellen mit einem Listenpreis von je CHF 31 360. Das Gehäuse ist dabei aus geschmiedeter Quarzfaser gefertigt worden, einem Werkstoff, der in der Uhrenindustrie vergleichsweise selten verwendet wird. Das Material ist ebenso leicht wie widerstandsfähig und verfügt über eine matte Oberfläche mit einem unverwechselbaren Moiré-Muster, kein Gehäuse gleicht dadurch dem anderen. Im Inneren schützt ein Container aus Titan das Uhrwerk (und gewährleistet eine Wasserdichtigkeit bis 100 Meter) und nimmt das integrierte Kautschukarmband auf. Jede Uhr wird zudem mit einer limitierten Edition des gleichnamigen Turnschuhs geliefert.

Mit anderen Worten: Nur weil man sich in einer klassischen Uhrenkategorie bewegt, heisst das bei Moser noch lange nicht, dass man sich an die Regeln halten muss. 

Die in diesem Jahr lancierte ­Streamliner Small ­Seconds Lime Green Enamel Boutique Edition packt ein «Grand-Feu»-Emaillezifferblatt in Lime Green Fumé in das für die Linie typische, kissenförmige 39-mm-Edelstahlgehäuse mit einem nahtlos integrierten Armband. CHF 30 900.

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