Villa mit See

Auf einem herrlich gelegenen Grundstück direkt am Vierwaldstättersee steht eine repräsentative Doppelvilla, die sich vollständig zum See hin öffnet. Kubische Strenge und raumhohe Transparenz vereinen sich zu einem ausdrucksstarken Baukörper mit beeindruckender Seesicht.

Text: Gerald Brandstätter   |   Fotos: Stefan Küng

Das Wasser plätschert idyllisch an die Ufermauer, ein herrlicher alter Baumbestand markiert die seitlichen Grundstücksgrenzen, die Abendsonne strahlt direkt ins Haus – und auch die Aussicht über den Küssnachtersee bis zum Bürgenstock auf der gegenüberliegenden Seeseite lässt keine Wünsche offen.

Auf dem zum Wasser hin leicht geneigten, rund 770 m² grossen Grundstück zwischen der stark befahrenen Strasse und dem Seeufer plante die Heer Architektur GmbH ein Doppel-Einfamilienhaus. Beide Gebäudeteile mit je rund 237 m² Nutzfläche sind autonom und formal eigenständig. Dennoch bilden sie nach aussen ein harmonisches und zusammengehörendes Ganzes.

Eine der Bauaufgabe entsprechend knappe Ausnützungsziffer sowie einschränkende Bauvorschriften setzten enge Rahmenbedingungen. Architektur, Raumgefüge und deren Ausrichtung sollten Funktionen und Abläufe konsequent auf das Leben am See ausrichten.

Dank der raumhohen air-lux Verglasungen scheinen sich die Räumlichkeiten grenzenlos zum Garten und See hin auszudehnen.
Bereits vom Eingang aus schweift der Blick durch das gesamte Erdgeschoss – vom Ess- über den Wohnbereich bis hinaus in den Garten und zum See.
Die freie Sicht über den See und auf die gegenüberliegende Bergkette prägt das eindrucksvolle Panorama.

Zum See hin offen

Entstanden ist ein höchst repräsentatives Gebäude mit insgesamt 2600 m³ umbautem Raum für zwei Generationen derselben Familie. Das Gebäude wirkt homogen: Beide Hausteile sind gleichwertig gestaltet und bieten trotz des gemeinsamen Grundstücks ein Höchstmass an Privatsphäre. Beide Gebäudeteile lehnen sich an eine massive Brandmauer, die einerseits das Rückgrat der beiden Haushälften bildet, andererseits jeden Hausteil klar vom anderen trennt. Sowohl von der Strassen- als auch von der Gartenseite ist diese Mauerscheibe deutlich ablesbar. Richtung See setzt sie sich als Gartenmauer fort und gliedert den seeseitigen Garten.

Flache Stufen führen auf die Liege- und Spielwiese vor dem Haus, wo die rund 40 Meter breite Parzelle direkt am Seeufer endet. Der bestehende Bootsschlipf zum Ein- und Auswassern sowie der Anlegesteg werden gemeinschaftlich genutzt.

Nähert sich der Besucher dem Haus von der Strasse her, wirkt es verschlossen und zurückhaltend. Die Fassade erscheint bewusst abweisend, die Maueröffnungen sind auf ein Minimum reduziert. Die weiss und glatt verputzte Fassade weist mit zwei Einschnitten auf die beiden Eingänge hin. Die funktionale Raumabfolge im Erdgeschoss orientiert sich beidseits der mittigen Mauerscheibe konsequent zum Garten und See. Der eine Hausteil entwickelt sich längs zum See: Vom Eingang aus sind die Räume hintereinander angeordnet. Der Besucher gelangt zunächst in den Essbereich mit der offenen Küche auf der linken Seite; eine Treppe gliedert den Ess- vom eigentlichen Wohnbereich. Die Raumabfolge des zweiten Hausteils ist hingegen eher quer organisiert.

Beide Gebäudehälften bestechen durch ihre grosszügigen Räume. Dank der rahmenlosen und deckenbündigen air-lux Verglasungen scheinen sich die Räumlichkeiten grenzenlos zum Garten und See hin auszudehnen. Bereits vom Eingang aus schweift der Blick durch das gesamte Erdgeschoss – vom 

Ess- über den Wohnbereich bis hinaus in den Garten und zum See. Das Haus öffnet sich förmlich zum Wasser: Es scheint zu schweben, sucht den fliessenden Übergang in die Landschaft und spielt mit dem unmittelbaren Kontakt zum See.

Freie Sicht dank Glasschiebetüren

Grossflächige Glasschiebetüren verbinden in ­beiden Gebäudeteilen den Wohnraum mit den seeseitigen Terrassen. Die raumhohen Verglasungen sind schwellenlos und ohne sichtbare Rahmen und erweitern den Innenraum fliessend zum ­Garten hin. Auf Gehrung gefügte Glasecken lassen die Übergänge ineinanderfliessen und das Tageslicht ungehindert bis in die hintersten Winkel des Gebäudes vordringen.

Auch das Obergeschoss der Doppelvilla mit jeweils drei Schlafzimmern und einem Wintergarten orientiert sich zum See hin. Die Raumaufteilung der einzelnen Zimmer lässt sich dank nichttragender Leichtbauwände den jeweiligen Bedürfnissen flexibel anpassen.

Der seeseitig ausgerichtete Wintergarten bietet einen zusätzlichen privaten Rückzugsort und kann bei Bedarf zu einem weiteren Zimmer ausgebaut werden. Die freie Sicht über den See und auf die gegenüberliegende Bergkette prägt das eindrucksvolle Landschaftsbild.

Auch im Inneren der Doppelvilla dominieren ­klare Formen und hochwertige Materialien: weisser Abrieb an den Decken, Zementabrieb an den Böden, edle Holzverkleidungen an ausgewählten Wänden sowie grosszügige Verglasungen vom Boden bis zur Decke. Nachts erhellt das Licht den fliessenden Raum, der sich von innen nach aussen entwickelt. In einer sorgfältig ­austarierten Balance zwischen Schweben und festem Halt, zwischen Massivität und gläserner Transparenz verbindet das Haus am See geschützten Wohnraum mit der offenen Natur am Wasser.