georgien als reiseland

Georgien

Das Herz des Kaukasus

Zwischen schneebedeckten Fünftausendern und jahrtausendealten Weinkellern liegt ein Land, dessen Gastfreundschaft legendär ist. In Georgien gelten Reisende nicht einfach als TouristInnen, sondern als «Geschenk Gottes». 

Text: Ursula Burgherr   |   Fotos: zvg

Wer über die aserbaidschanische Grenze nach Georgien reist, taucht von der Halbwüste ganz plötzlich in einen grünen Garten Eden ein. Eingebettet zwischen dem Schwarzen Meer und dem grossen Kaukasus bietet das Land mit seinen vielfältigen Klimazonen sowohl subtropische Küstenregionen mit einer vielfältigen Flora als auch alpines Hochgebirge. Reiseleiterin Nona ist stolz auf ihre Heimat: «Georgien blickt auf eine über 3000-jährige Geschichte zurück. Und es hat seine einzigartige Identität über Jahrtausende hinweg trotz seiner extremen geografischen Lage an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien sowie unzähliger Fremdherrschaften erfolgreich bewahrt», meint sie. 

Dem Himmel nah

Hunderte von Kirchen, Klöstern und Kapellen prägen die atemberaubenden Landschaften. Sie befinden sich in teilweise spektakulärer Höhe und wirken wie in den Felsen gehauene archaische Zufluchtsorte, die dem Himmel nah sind. Die Atmosphäre in den georgischen Sakralbauten gilt als eine der intensivsten, mystischsten und berührendsten religiösen Erfahrungen weltweit. Überall wird an Schalen voller brennender Kerzen gebetet. Selbst Menschen, die nicht religiös eingestellt sind, empfinden eine emotionale Wucht, der sie sich kaum entziehen können. Die Dreifaltigkeits-Kathedrale in Tiflis ist eines der grössten religiösen Bauwerke der Welt und thront unübersehbar über der Hauptstadt. Aber auch sonst hat die Kapitale mit ihren Kontrasten zwischen uralter orientalischer Tradition, europäischem Charme und einer lebendigen Kunstszene eine Fülle an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dazu gehören vor allem die alten Häuser mit kunstvoll geschnitzten bunten Holzbalkonen, die teilweise ziemlich verwittert sind. Hoch über der Stadt wacht die riesige steinerne Mutter Georgiens mit Schwert und Weinschale über das Wohl ihres Volks. 

Wiege des Weins

«Jeder Gast ist ein Geschenk Gottes», ist nicht nur ein georgisches Sprichwort, sondern auch gelebte Tradition. Wein wurde schon vor 8000 Jahren in tönernen Amphoren gegoren, heute werden über 520 teilweise seltene Rebsorten angebaut. Nach einem Panscherei-Skandal im postsowjetischen Massenmarkt kurz nach der Jahrtausendwende macht Georgien seinem Ruf als «Wiege des Weins» wieder alle Ehre und exportiert seine Spitzentropfen in die ganze Welt. Es lohnt sich aber auch, in einem der vielen kleinen Restaurants Chinkali (georgische Teigtaschen) oder Chatcchapuri (gefülltes Käsebrot) zu probieren. Wer es kalorienarmer bevorzugt, findet eine reiche Auswahl an Vorspeisen aus frischem Gemüse und aromatischen Kräutern. Der US-amerikanische Schriftsteller John Steinbeck besuchte Georgien 1947 zu Stalin-Zeiten. Er beschrieb das Land in seinem Werk «Russisches Tagebuch» als sehnsuchtsvolles Paradies und führte an: «Manche Russen, die ich getroffen habe, witzelten, dass sie bei gutem Benehmen nicht in den Himmel kommen, sondern nach Georgien.»