Wenn das geliebte Haustier stirbt, scheint die Welt still zu stehen. Das Tierkrematorium Dübendorf bietet Tierbesitzerinnen und -besitzern eine einfühlsame Begleitung in schwerer Stunde und ermöglicht einen würdevollen Abschied.
Text: Ursula Burgherr | Fotos: Adobe Stock/zvg
Wer das Tierkrematorium Dübendorf das erste Mal betritt, wird überrascht sein. Statt Feuer, Rauch und Fabrikhallenstimmung empfängt ein in sanften Naturfarben gehaltener Raum, der wie ein Wohnzimmer anmutet. Kerzen brennen und alles strahlt eine Atmosphäre des absoluten Friedens aus. Dem Empfangsraum angeschlossen sind zwei Annahmezimmer, in denen ein erster Austausch mit den Halterinnen und Haltern der verstorbenen Tiere stattfindet. Eine Familie hat gerade ihren geliebten Hund mitgebracht, den sie einschläfern lassen musste. Nun wird er sorgfältig in den bereitgestellten Korb auf einen Rollwagen gebettet. Dann werden die möglichen Abläufe besprochen. Dabei ist sensibles Vorgehen gefragt. Esther Sager, Leiterin Kundenbetreuung: «Trauer hat unterschiedlichste Gesichter. Viele Menschen befinden sich in einer Art Schockstarre und sind kaum ansprechbar. Andere vergiessen bittere Tränen.» Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierkrematoriums nehmen sich viel Zeit für die Trauernden, hören ihnen zu und spenden Trost. «Halt und ein Gefühl der Sicherheit zu geben, ist in einer solchen Situation ganz wichtig. Die Anwesenden sollen sich gewiss ein, dass sie uns alle weiteren Schritte vertrauensvoll überlassen können und ihr Tier bei uns in guten Händen ist. Vertrauen ist bei unserer Arbeit das A und O», meint Sager.
Das Kremationsformular, das ausgefüllt werden muss, garantiert den Halterinnen und -Haltern, dass sie auch wirklich die Asche ihres Tieres bekommen. Dank einem ausgeklügelten System mit ID-Chip und Barcode, der später bei jedem Arbeitsschritt abgeglichen wird, sind Verwechslungen unmöglich. «Wenn die Anwesenden einverstanden sind, machen wir noch einen Pfotenabdruck, den wir ihnen als Geschenk und Erinnerung an ihren Schützling mitgeben», bekundet Sager. Sobald alles geklärt ist, ziehen sich die Krematoriums-Mitarbeitenden diskret zurück, um die nötige Privatsphäre für einen letzten Abschied zu ermöglichen. Die Anwesenden können mit ihrem Tier so lange im Raum bleiben, wie es für sie stimmig ist. «Wenn die Leute zu uns kommen, sehe ich in ihrem Gesicht oft grosse Anspannung. Denn sie wissen nicht genau, was sie erwartet. Nach dem klärenden Gespräch mit uns wirken sie meist viel gelöster. Es ist schön, was wir in unserem Job bewirken können», zeigt sich Sager dankbar.
In Ruhe entscheiden
Wenn ein Tier stirbt, darf jeder für sich entscheiden, ob er es nach Hause nimmt und selbst zum Tierkrematorium bringt oder diesen Prozess dem Tierarzt überlässt. «Es gibt kein Richtig oder Falsch», meint Sager, «wichtig ist, nicht zu hetzen und überstürzt zu handeln.» Das Tierkrematorium arbeitet eng mit Tierärzten in der ganzen Schweiz zusammen. Wer das Tier lieber noch ein bis zwei Tage zu Hause behalten möchte, um von ihm Abschied zu nehmen, sollte auch keine Probleme mit Geruchsemmissionen haben, wenn es an einem möglichst kühlen Ort gelagert wird. Beim Entscheid, den Vierbeiner selbst zum Tierkrematorium Dübendorf zu bringen, genügt ein Anruf, um innert kürzester Zeit einen Beratungstermin zu erhalten. Ein Pikettdienst steht auch nach den Bürozeiten und an Wochenenden zur Verfügung. Neben Dübendorf gibt es weitere Standorte in Seon (AG), Füllinsdorf (BL), Wittenbach (SG) und Nyon (VD).
Schmuck als Erinnerung
Bei der Einäscherung stehen zwei Varianten zur Wahl: Die Sammelkremation, bei der mehrere Tiere gemeinsam in einem würdevollen Rahmen kremiert und in speziell zur Verfügung gestellten Gemeinschaftsgräbern aufbewahrt werden; oder die Einzelkremation, bei der ein Tier alleine kremiert wird und die Asche in einem Behältnis nach Wahl an den Besitzer oder die Besitzerin zurückgeht. Einige Urnen stehen in Dübendorf im Empfangsbereich und lassen staunen. Zu sehen sind wunderschöne Herzen aus gegossenem Beton, naturbelasse Flusssteine oder kugelförmige Skulptururnen. Keine davon mutet wie das Gefäss für die Asche eines verstorbenen Lebewesens an. Des Weiteren Bilderrahmen aus Holz, in die man ein Foto und dahinter das mit Asche gefüllte Gefäss platzieren kann. Wenn jemand jedoch bevorzugt, die Asche unter seinem Lieblingsbaum zu verstreuen, reicht auch ein einfaches Stoffsäckchen oder Holzkistchen. Für diejenigen, die ihre Erinnerung an das geliebte Tier stehts nahe bei sich tragen möchten, gibt es Schmuckurnen, in die eine kleine Aschenmenge abgefüllt wird. Die Auswahl von Ketten, Armbändern und Schlüsselanhängern aus Edelmetall ist riesig. Ein besonders schönes Symbol für ewige Verbundenheit und greifbares Andenken sind persönliche Tierdiamanten, die aus der Asche verarbeitet werden (siehe Artikel).
Der Kremationsprozess dauert zwischen ca. 45 Minuten und drei Stunden, je nach Grösse des Tieres. Übrig bleiben die Knochen, die in einem Mahlwerk fein gemahlen werden. Daraus entsteht die Asche, die schlussendlich in die gewählte Urne abgefüllt wird. «Hinter allem liegt ganz viel sorgfältige Handarbeit und all unsere Mitarbeitenden sind mit Herzblut und grosser Tier- und Menschenliebe bei der Sache», meint Sager. Die gelernte Pflegefachfrau arbeitet seit 24 Jahren für die Tierkrematorium Schweiz AG. «Als ich anfing, gaben viele ihre verstorbenen Tiere in die öffentliche Entsorgung. Kremationen, wie wir es machen, wurden eher als etwas übertrieben angesehen.» Das habe sich geändert. «In der heutigen Gesellschaft ist die emotionale Bindung zu einem Tier, das mit seiner bedingungslosen Liebe für den Menschen da ist, stärker geworden.» Doch nach wie vor gilt: Welcher Weg gewählt wird, entscheiden die Trauernden selbst. Sager betont aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass es bei einem Verlust des Haustieres ungeheuer wichtig sei, auch die Emotionen von Kindern ernst zu nehmen. Das Team vom Tierkrematorium Schweiz hat deshalb das käuflich erwerbbare Kinderbuch «An unserer Seite für immer» geschrieben, in dem es um den Umgang mit Trauer und das Loslassen geht.