Allein die Eckpunkte des Projektplans lesen sich wie die Beschreibung einer komplexen Herzoperation: Die 100 Jahre alte Patientin, das Clubhaus des Zürcher Yacht Clubs - übrigens das einzig schwimmende in der Schweiz - wird von seiner Verankerung am General Guisan-Quai gelöst. Zwei seitliche Weidlinge sowie ein starkes Schubschiff stossen es mit zwei bis drei Stundenkilometern entlang des Westufers und durch den Durchstich bei Pfäffikon/SZ in den Obersee bis nach Nuolen.

Dort warten die Spezialisten der KIBAG, um die marode Substanz am Clubhaus auszutauschen. Dazu sind drei grosse Arbeitsschritte geplant. Zunächst werden die Schwimmkörper, die sogenannten Caissons, an Land aus Beton gegossen, miteinander zu einem neuen Floss verbunden und zu Wasser gelassen. Die Caissons sind der Hauptgrund für die aufwändige Renovation. Nach 100 Jahren im Wasser sind sie undicht geworden. In jüngster Zeit kam es immer wieder zu Wasseralarm und die Verantwortlichen mussten, oft auch in der Nacht, ausrücken, um grösseres Unheil zu verhindern.

Im zweiten Schritt wird das Erdgeschoss renoviert. Vor allem Teile der tragenden Konstruktion müssen erneuert werden. Die inneren Oberflächen werden so viel wie möglich von der bestehenden Substanz erhalten – nicht nur aus ökologischen Gründen. «Das Clubhaus wurde 1916 erbaut und wir versuchen, so gut wie möglich, den Original-Charakter des Gebäudes zu erhalten», erklärt der leitende Architekt Marc Guinand. Getragen wird das Unterfangen durch die Club-Mitglieder, sowohl finanziell wie tatkräftig beim Räumen der Anlage.

An den Holzelementen, wie der Bar oder dem Täfer des Clubzimmers, kleben Patina und Erinnerungen an die sportlichen Erfolge der Mitglieder. Dazu zählen unter anderem vier Teilnahmen an olympischen Spielen, fünf Welt- und Europameistertitel sowie 30 Schweizer Meistertitel. Bis heute steht der Segelsport im Vordergrund des zweitältesten Segelclubs der Schweiz. Jedes Jahr richtet der ZYC zahlreiche Regatten auf dem Zürichsee aus und engagiert sich in der Jugendarbeit. Viele der rund 400 Mitglieder treffen sich donnerstags zur Feierabendregatta gemeinsam mit den anderen Zürcher Segelclubs.

Im finalen Schritt wird das gesamte 1. Obergeschoss vom alten Clubhaus abgehoben und auf das erneuerte Erdgeschoss aufgesetzt. Ein spektakuläres Unterfangen, bei dem alles passen muss.

Danach geht es wieder auf die Heimreise, die wiederum einen Tag dauern wird. Im Oktober soll die alte Dame in neuem Glanz wieder entlassen und als Blickfang des Seebeckens an der ebenso neuen Quaianlage zu liegen kommen.

(Photos: Felix Aeberli)