Licht bahnt sich seinen Weg durchs Blätterdach über dem Küsnachter Tobel, tastet sich zum Bach und taucht dort in die Tiefe. Es entstehen phänomenale Lichtreflexe, Farbspiele und Spiegelungen. Der Küsnachter Urs Fanger fängt das faszinierende Naturschauspiel seit zwölf Jahren mit seiner Kamera ein. Was einst als Zeitvertreib während des Hundespaziergangs begann, ist für Urs Fanger zu einer Obsession geworden: Jeden Tag – oder auch in der Nacht – beobachtet er ästhetische Effekte, die im Tobel und den nahen Weihern oder auf dem Pfannenstil zum Vorschein kommen. «Die geheimnisvollen Formen und Farben, ihre Spannung oder Ruhe, die Verwirrung des ‚Zerrspiegelten‘ oder auch ölige Versilberungen faszinieren mich», erklärt er. Seine Fotografien pendeln zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bis hin zu Informellem und kippen zu Effekten der Malerei. Nun sind die gänzlich unbearbeiteten Bilder erstmals in der Galerie Höchhuus in Küsnacht zu sehen.

 

 

Prägende Lehrzeit

Für Kunst und Ästhetik interessierte sich Urs Fanger bereits in seiner Jugend, weshalb er sich für eine kreative Ausbildung entschloss: Nach der Kunstgewerbeschule in seiner Heimat Luzern, absolvierte er das Studium für Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Ulm (Hfg). Die Begegnungen und Zusammenarbeit mit Dozenten wie Johannes Itten, Max von Moos, Max Bill oder Alexander Kluge prägten die Denkens- und Schaffensweise von Urs Fanger. Der Schweizer Grafiker Verband holte ihn als Geschäftsführer zurück in die Schweiz, wo er dann voller Ideen und Tatendrang auch Vorsteher des Departements Design, Medien und Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) wurde und in dieser Funktion unter anderem die Studienbereiche Fotografie, Film, Game Design und Medienkunst initiierte und aufbaute. Urs Fanger engagierte sich zudem für Signaletik und Kunst im öffentlichen Raum, unter anderem im Auftrag der ETH; und noch heute ist er Mitglied der Baukommission in Küsnacht, wo er seit 1992 lebt.