Visualisierung der neuen Zürichseefähre «Meilen».

Die Öswag-Werft im österreichischen Linz hat im Auswahlverfahren unter Berücksichtigung aller Aspekte im Vergleich mit den anderen Anbietern am besten abgeschlossen und 2015 den Auftrag zum Bau einer neuen Zürichseefähre erhalten. Nebst einem kon­kurrenzfähigen Preis, hat insbesondere die Erfahrung der Öswag in der Sektions­bauweise und im Bau von Schiffen an Drittstandorten zu diesem Entscheid beigetra­gen. Überzeugend waren auch die Referenzen, u.a. über die in den letzten Jahren gelieferten Passagierschiffe «Jean Jacques Rousseau» auf dem Bieler- oder die «Überlingen» auf dem Bodensee.

Die Projektkosten belaufen sich auf rund 10 Millionen Franken. In Betrieb genommen wird die neue Fähre im September 2017. Sie ersetzt die im Jahre 1979 gebaute Fähre «Meilen» und wird deren Namen übernehmen. Es bleibt also bei fünf Fähren. Ausschlaggebend für die Ausserbetriebnahme der «Meilen» gaben nebst dem für die heutigen Fahrzeuggrössen zu engen Fahrdeck, die in den nächsten Jahren anfallenden Unterhaltskosten.

Die neue Fähre wird in Einzelteilen mittels nächtlichen Spezialtransporten in mehreren Fahrten zur ZSG-Werft in Zürich-Wollishofen überführt, wo sie zusammengebaut wird. SEESICHT war am ersten Transport, am Freitagmorgen, 7. April, um 4 Uhr früh, mit dem Konvoi unterwegs. Unsere Bilder zeigen die zwei Lastwagen mit den ersten Boot-Elementen aus Österreich auf der Seestrasse in Wollishofen, Höhe Landi-Wiese. An der dortigen BP-Tankstelle war erst mal Schluss.

Am Montag, 10. April, 7 Uhr, wurde begonnen die Rumpf-Elemente - jedes ist rund 30 Tonnen schwer - mit dem zweitgrössten hydraulische Kran der Schweiz (Mobilkran Grove gmk 6400; Hebevermögen 400 Tonnen) von den Lastwagen abzuladen. Kurz nach 8 Uhr waren beide Teile auf der Bahn vor der ZSG-Werfthalle.

Die anderen beiden Lastwagen standen mit ihren Teilen noch immer bei der Tankstelle, wo sie auch bleiben mussten. Die Stadtpolizei hat die Bewilligung, um die Strasse zur Werft zu überqueren, nicht erteilt. Grund: Schwertransporte dürfen lediglich zwischen 22 Uhr und  5 Uhr auf die Strasse. Die österreichischen Transporteure dachten anfänglich, die kurze Strassenüberquerung ohne Bewilligung machen zu können. Als sie dann aber den dichten Zürcher Verkehr sahen, versuchten sie doch noch eine Bewilligung einzuholen...

Immerhin: das Positionieren der 30 Tonnen schweren Fährenteile auf den Geleisen, über die sie anschliessend in die Werfthalle gezogen wurden, verlief problemlos.

Bis Ende Mai folgen nun wöchentlich zwei weitere Transporte. Insgesamt sind es 17 Fahrten (4x4 + 1 für insgesamt 11 Rumpfteile, 4 Teile Aufbau, 2 Steuerhäuser und 2 Propeller). Der Rumpf wurde für den Transport alle 6 Meter geschnitten und wird komplett ausgerüstet angeliefert. Die Fähre wurde vor dem Transport schon einmal probeweise zusammengesetzt und für den Transport wieder in strassentaugliche Teile zerlegt.

Die neue Fähre muss die Werfthalle verlassen, bevor das Theaterspektakel diese in Anspruch nimmt. Die Einwasserung ist für den 3.  August geplant, die Taufe ist auf den 22. September 2017 angekündigt. Wer Taufpate oder -patin ist, wird noch nicht verraten.

Bilder: Felix Aeberli & Martina Peyer