Hochkonzentriert geht es hier zur Sache. Die angehenden Eisenbahn-Betriebsleiterinnen und -Betriebsleiter lernen hier die einzelnen Ebenen des Bahnbetriebs (Disposition, Betriebsführung, Betriebssicherung etc.) und deren Verknüpfung kennen und können unterschiedliche Funktionen übernehmen (z.B. Fahrdienstleiter, Disponent etc.). Dabei kommt den unterschiedlichen Stellwerkstechnologien eine besondere Bedeutung zu.

 

Benutzer

Das Eisenbahn-Betriebslabor dient in erster Linie der Aus- und Weiterbildung dreier Zielgruppen:

  • Betriebspersonal der Bahnen - Bei der Ausbildung von Betriebspersonal geht es verstärkt um die korrekte Bedienung der sicherungstechnischen Anlagen, die Handhabung von Vorschriften, die Disposition und das Störungsmanagement im Bahnbetrieb.
  • Studenten entsprechender Vertiefungsrichtungen am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich - Der Schwerpunkt der studentischen Ausbildung liegt auf der Vermittlung der einzelnen Betriebsprozesse im Gesamtsystem Bahn. Der Student soll dabei ein Verständnis für die Komplexität dieses Systems mitsamt seiner umfassenden Sicherheitsphilosophie bekommen.
  • Externe Fachbesucher aus dem Bereich Signal- und Sicherungstechnik.
     

Kernstück ist eine ca. 50 Quadratmeter grosse Modelleisenbahnanlage, deren Weichen und Signale von realen Stellwerken gesteuert werden. Das Bahnnetz umfasst drei Strecken, sechs Bahnhöfe, zwei Haltestellen sowie eine Spurwechselstelle.

Die Bahnhöfe und Strecken sind zwar fiktiv, wurden aber nach gängigen Realisierungsprinzipien gestaltet und weisen somit typische Merkmale eines realen Bahnnetzes auf. Der Längenmassstab der Gleise beträgt 1:100, d.h. ein Meter Modellbahngleis würde 100 Meter realem Eisenbahngleis entsprechen.

Für die angehenden Bahnbetriebsleiter (hier ein Auszubildender an einem - natürlich auch bei den SBB eingesetzten - Gleisbildstellwerk Domino 67 / 69) können sämtliche Betriebszustände, von der Verspätung bis zur defekten Barriere, simuliert werden.

Die Stellwerkstechnik zur Steuerung und Sicherung der Zugfahrten ist in allen Generationen vertreten, angefangen bei einem über einhundert jährigen mechanischen Stellwerk bis hin zur modernsten Computertechnologie. Ebenfalls sind alle schweizerischen Signalsysteme mit Form- und Lichtsignalen vorhanden.

 

 

Mechanisches Stellwerk Bahnhof Iggswil: Ortsbedient, Ausgangspunkt einer Doppelspurstrecke im konventionellen Linksverkehr mit Formsignalen.

Elektromechanisches Stellwerk (Schalterwerk) beim Bahnhof Zetthausen. Ortsbedient und mit schienengleichem Perronzugang, Lichtsignale Typ L.

Gleisbildstellwerk «Domino 67 / 69» beim Bahnhof Ypslikon: Ortsbedient mittels Domino 67 mit Speicherfunktion und Rangierfahrstrassen [Zwergsignale), Lichtsignale Typ L. Bahnhof Pewald: Ortsbedient mittels Domino 69 ohne Speicherfunktion und ohne Rangierfahrstrassen, Lichtsignale Typ L. Fernsteuerbar über ILTIS.

ILTIS beim Bahnhof Wedort [ferngesteuertes D0 67): Kreuzungsbahnhof an einer Einspurstrecke mit Lichtsignalen Typ L. Bahnhof Testadt [ferngesteuertes Do 67): Knotenbahnhof an Doppelspurstrecke und abzweigender Doppelspurstrecke mit Lichtsignalen Typ N.

Die Zugfahrten werden von einem zentralen Rechner gesteuert, welcher entsprechend der Fahrzeugeigenschaften, Zugreihung und Signalstellungen die Züge beschleunigt und durch die Anlage führt. Mit modernen Intercity- und S-Bahn-Zügen, langen Transitgüterzügen und historischen Sonderzügen kommen alle typischen Zuggattungen zum Einsatz. Die Fahrzeuge sind handelsübliche Modellbahnfahrzeuge, die über eine digitale Schnittstelle mit dem Steuerrechner kommunizieren.

Besondere betriebliche Situationen können mit diesem Labor ohne grösseren Aufwand simuliert werden. Es werden unterschiedliche Fahrpläne und besondere Prozesse des Bahnbetriebes geübt, damit die zukünftigen Bahnmitarbeiter und Ingenieure optimal auf das Berufsleben vorbereitet sind. Dabei kann der Betrieb auch beliebig unterbrochen oder verzögert werden, ohne dass reale Reisende Verspätungen und Umwege erleiden müssen.

(Bilder und Videos (c) Felix Aeberli und Roger Bataillard, SEESICHT-Magazin, 2016)