Überfahrt von Zürich nach Nuolen am 25. Mai 2016.

Ankunft am oberen Zürichsee.

Der 1. Teil der Renovation, die Verschiebung des Clubhauses von Zürich in den Hafen Nuolen, erschien in SEESICHT-Ausgabe 3/16. Mehr dazu finden Sie Im Blog mit Galerie und im Beitrag «Was schwimmt denn da?».

 

5. Juli – Einwasserung der Schwimmkörper

170 Tonnen pro Caisson: Beim Einwassern der beiden 2.5 mal 6 mal 24 Meter grossen Betonelemente kommen zwei gigantischen Pneu-Krane an ihre Grenzen.

19. Juli – Flugstunden

Das Clubhaus des Zürcher Yacht Clubs ist nicht nur das einzig schwimmende in der Schweiz, sondern seit kurzem auch das einzig fliegende: Ganz sanft und mühelos, als ob es sich um ein Puppenhaus handeln würde, heben zwei Pneukrane das 60 Tonnen schwere Obergeschoss des Clubs vom maroden Untergeschoss ab und hieven es auf den erneuerten Unterbau.

Juli bis Oktober – Innenausbau

Der 100-jährige Charme soll erhalten bleiben: Die erfolgreiche Versetzung des Obergeschosses war das Startzeichen für den Innenausbau. Im gesamten Clubhaus werden Leitungen für Strom, Trink- und Abwasser gelegt, Heizung und Lüftung angeschlossen. Das Erdgeschoss erhält Zwischenwände und Fussböden und wird nach den Gips- und Malarbeiten mit der Täferung, der Bar und dem Mobiliar aus dem alten Erdgeschoss bestückt.

14. Juni – Wassertiefe von anno dazumal

Im Untergrund am Heimatort: Eine Art «schwimmender Elefant» von Kibag macht sich mit seinem «Rüssel» am Untergrund zu schaffen. Während rund einer Woche saugt er die Sedimente ab, die sich seit 100 Jahren am Untergrund angesammelt haben. Ziel ist es, den Seegrund unter dem Clubhaus auf die ursprüngliche Höhe (Höhenkote) von anno 1916 zu bringen. So hat es das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) definiert. Da es dem «Schwimmelefanten» irgendwann zu anstrengend wird, löst ihn ein Bagger ab.

7. Oktober – Heimreise

ZYC-Herz und -Seele ist um 14.45 Uhr zurück: In Begleitung von Oldtimer-Booten und der Seepolizei erreicht das Clubhaus den General-Guisan-Quai, wo Clubmitglieder, Ingenieure, Architekten und Projektverantwortliche es mit grossem Jubel in Empfang nehmen. Aufkommende Bise macht das Manövrieren zwar knifflig, doch bläst sie das Floss energisch an seinen alten Standplatz. Taucher montieren die Sturmketten.

29. Oktober – Einweihungsfeier

Ansturm überstanden: Das Bootshaus des Zürcher Yacht Clubs platzt aus allen Nähten. Dank der Verjüngungskur übersteht es das jedoch problemlos.

Interview mit ZYC-Club-Präsident Beat Müller

SEESICHT: Herr Müller, wie fühlen Sie sich nach dem erfolgreichen Abschluss?
Beat Müller: Überglücklich! Woran wir zwei Jahre lang gearbeitet haben, ist endlich Realität geworden. Es gab keine einzige unschöne Überraschung, Zeitplan und Budget konnten eingehalten werden. Dies verdanken wir den involvierten Firmen und Clubmitgliedern, die mit riesigem Engagement und Herzblut mitgearbeitet haben. Zudem trafen wir von Anfang an ausserordentlich kooperationsbereite Behörden an. Und es gab keine einzige Einsprache.

Die Renovation des ZYC-Clubhauses war nicht alltäglich – weshalb?
Unser Clubhaus ist das einzig schwimmende der Schweiz. Entsprechend gibt es keine Best-Practice-Beispiele, wie ein solches Gebäude zu sanieren ist. Daher benötigten wir einerseits Spezialisten, die etwas von Wasserbau verstehen. Andererseits waren wir auf ein genügend grosses Gelände angewiesen, auf dem ein Floss in der Grösse von 11.4 mal 24 Meter bearbeitet werden konnte. Zudem waren alle Fachleute, die es auch beim Umbau eines Einfamilienhauses braucht, notwendig. Also Tiefbauexperten, Elektriker, Schreiner und Sanitär. Eine Besonderheit ist sicherlich auch die Unterstützung der Mitglieder: Das 2.5 Millionen Umbauprojekt ist bei allen Teilabstimmungen einstimmig und ohne Enthaltungen von allen genehmigt worden – inklusive des finanziellen Zustupfs in Form des dreifachen Mitgliederbeitrags. Zudem waren 40 Mitglieder direkt in das Projekt involviert, doppelt so viele waren als Helfer engagiert.

Was war die grösste Knacknuss während des Umbaus?
Besonders angespannt waren wohl alle vor dem Hub des Obergeschosses auf den komplett neu renovierten Unterteil. Zwei Pneukrane hoben das erst vor fünf Jahren renovierte, 60 Tonnen schwere OG vom maroden Untergeschoss ab und transferierten es auf das neue Floss. Alle Beteiligten arbeiteten so genau, dass sogar die Fensterscheiben intakt blieben. Eine Meisterleistung waren auch die neuen Schwimmkörper, die sogenannten Caissons. Herausforderung dabei war, sie möglichst leicht – also dünnwandig – und dennoch absolut wasserdicht zu bauen. Zudem galt es während der Sanierungsarbeiten, Charakter und Charme des 100-jährigen Clubhauses möglichst beizubehalten.

Es konnten sicherlich auch Verbesserungen gemacht werden?
In den Hohlräumen der Caissons ist heute dreimal mehr Platz als früher. Sie dienen uns daher als geräumige Keller: Neben der Schmutzwasserpumpe können wir nun Segel zum Trocknen aufhängen, Regattamaterial verstauen und Utensilien für die Gastronomie unterbringen. Auch die Werkstatt, die sich früher im Parterre neben der Garderobe befand, ist jetzt im Keller. So konnten wir die Damengarderobe vergrössern. Neu wurde zudem die Kettenverankerung in den Caissons drin angebracht, wo man sie ohne Tauchereinsatz erreicht, falls die Kettenlänge dem Wasserstand angepasst werden muss.

(Text und Interview: Martina Peyer, Photos: Felix Aeberli)